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TV-Debatte Obama gegen Romney:Echo der Duellanten

Romney sei ein Handlanger der Millionäre, sagt Obama - und die schwarzen Jugendlichen im Hörsaal jubeln vor dem Fernseher. Im Hinterzimmer der Tea Party hingegen beschimpft man den Präsidenten als Clown, doch auch hier gilt Romney als Verlierer. Zu Besuch auf Debattenpartys in zwei amerikanischen Welten.

Mehr kann man sich für einen sportlichen Abend nicht wünschen: Es gibt drei Oktoberfestbiere vom Fass und den "Cowboy Burger" für 10,49, Dollar natürlich. Fairfax, nördliches Virginia, eine halbe Autostunde von der Hauptstadt entfernt - die Tea-Party-Republikaner haben zur Debattenparty geladen. Im Hinterzimmer der "Greene Turtle Sportsbar" hängen neben zwei Deckenventilatoren auch sieben Flachbildschirme, mehr hätte die Wandfläche nicht hergegeben. Und es läuft, anders als im übrigen Teil der Bar, nicht Football oder Baseball, sondern der republikanische Haussender Fox News.

Es sind nicht nur die Anhänger der rechtspopulistischen Tea Party da, auch die schwarze Beamtin Kemi, 35, die bisher zwar immer die Demokraten gewählt hat, inzwischen aber zweifelt, und der Student Ben, 26, der zwar Mitt Romney wählen wird, aber von sich sagt, dass er sehr unabhängig sei, was er schon dadurch zeigt, dass er Rotwein bestellt.

Als das TV-Duell losgeht, sind auch die Zuschauer noch nervös. Barack Obama, der Präsident, und Mitt Romney, sein Herausforderer, wirken hölzern, als sie ihre ersten, eifrig einstudierten Sprüche ausprobieren. Der Republikaner verspricht einem Studenten aus dem Debattenpublikum gerade, dass der in zwei Jahren unter einem Präsidenten Romney natürlich einen Job haben werde ("Du kannst drauf wetten"). Ben, der Student in der Bar, schüttelt den Kopf und blickt sich Hilfe suchend um - nein, das wirkt hier in der Sportsbar zu anbiedernd, lieber Kandidat.

TV-Duell Obama gegen Romney

Und dann kam Libyen

Zehn Kilometer weiter östlich, bei den Studenten der Howard University in Washington DC, kann der Republikaner eh nicht punkten. Das Publikum im abgedunkelten Blackburn Auditorium ist durchweg schwarz, geladen hat die Jugendorganisation "Impact", die junge Amerikaner ermuntert, sich einzumischen in die große Politik. Im Nebenraum stapeln sich Flugblätter, die gegen die Ausbeutung afroamerikanischer Häftlinge in einem Knast in North Carolina protestieren, auf drei großen Papptellern liegen belegte Brötchen in drei Varianten bereit: vegetarisch, mit Thunfisch oder mit Roastbeef. Zu trinken gibt es Saft.

Nicht nur deshalb ist die Stimmung nüchtern, den durchweg demokratisch gesinnten Studenten sitzt noch immer der Schock der ersten TV-Debatte in den Gliedern. "Obama wirkte da völlig abwesend", sagt Johnny Travett, der 22-jährige Student, der nächste Woche sein Examen in Finanzwissenschaft vor sich hat. "Das muss der Präsident diesmal besser hinkriegen. Sonst fällt er durch." Johnny sitzt hinten in der achten Reihe auf einem Klappsessel, auf den Knien hat er seinen Computer. Er will nebenher mitlesen, wie im Netz die Blogger das Duell bewerten. Er grinst: "Und falls es hier zu laut wird, setze ich die Kopfhörer auf und hör's mir im Live-Stream an."

Aber es bleibt ruhig im Hörsaal, angespannt starren die Studenten auf die Leinwand. Zehn Minuten dauert es, bis sich das Publikum regt. Da setzt Barack Obama zum ersten Angriff an. Sein Gegner, so giftet der Präsident, habe in Wahrheit keinen Fünf-Punkte-Plan: "Er hat einen Ein-Punkte-Plan, und mit diesem Plan will er sicherstellen, dass die Typen ganz oben ihr Spiel nach Sonderregeln spielen dürfen." Das kommt an, erlöstes Gelächter belohnt die Attacke. Johnny ist erleichtert: "Gott sei Dank, heute ist er forsch."