TV-Debatte der Republikaner Cruz gegen Rubio, Bush gegen Kasich

Lehre 3: Zwei Latinos streiten, wer Latinos vergrault

Ted Cruz und Marco Rubio haben kubanische Wurzeln, doch in der Logik der republikanischen Vorwahlen 2016 streiten die beiden darüber, wer einen schärferen Kurs gegen (meist aus Mittelamerika stammende) Einwanderer verfolgt. Und damit quasi darum, wer die hispanischen Wähler am erfolgreichsten vergraulen kann.

Wie schon zuvor bezichtigen sich die beiden, einst Amnestie für illegale Einwanderer unterstützt zu haben. Dann wird es persönlich: Rubio habe Obamas laxe Abschiebepolitik im spanischsprachigen TV unterstützt, sagt Cruz. "Das kannst du gar nicht wissen, weil du kein Spanisch sprichst", antwortet Rubio. Cruz, dessen Sprachkenntnisse in der Tat als schwach gelten, antwortet auf Spanisch: "Wir können das gerne auf Spanisch austragen."

In diesem Moment ist Rubio beinahe sprachlos, ansonsten wirkt er konzentrierter und natürlicher als in der vergangenen Debatte. Die Fragen nach seiner Erfahrung kann er allerdings weiterhin nicht überzeugend beantworten.

Lehre 4: Bush und Kasich kämpfen um den "Erwachsener"-Stempel

Zwei Gouverneure, zwei Establishment-Kandidaten, zwei Vertreter moderater Ideen - das ist in dieser Phase des Wahlkampfs jeweils einer zu viel. John Kasich und Jeb Bush versuchen deshalb, sich durch unterschiedliche Strategien als der bessere "erwachsene Kandidat" im überdrehten Rennen zu profilieren: Bush betont seine Erfahrung als Entscheider, Kasich als wählbarer Kandidat mit positiver Botschaft.

"Ich liebe die Demokraten-Wähler aus der Arbeiterschicht", gibt der Gouverneur von Ohio zu Protokoll, "weil sie uns im Herbst wählen werden." Doch Bush kennt Kasichs Schwachpunkt unter Konservativen: dessen Ausbau der Gesundheitsfürsorge geißelt er als Unterstützung von Obamas Gesundheitsreform. Erwachsen oder nicht: die Nähe der Demokraten ist keine Zone, in der Republikaner-Kandidaten gute Aussichten haben.

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Lehre 5: Carson ist einsam (aber wach)

Irgendwann in einem der zahlreichen Stimmengewirre tönt es von irgendwoher verzweifelt "mein Name wurde zweimal erwähnt!". Es ist Ben Carson. Der Neurochirurg hat noch Geld in der Wahlkampfkasse und Hoffnung auf die evangelikalen Wähler in South Carolina. Und er hat es, anders als beim letzten Mal, ohne Probleme auf die Bühne geschafft. Sonst gibt es allerdings angesichts seiner meist zusammenhanglosen Aussagen kaum einen Grund für seine Anwesenheit.

"Ich habe den Nahen Osten studiert", sagt er, der im Wahlkampf einmal nach Jordanien flog. Oder "Geht auf meine Website und lest über meine Einwanderungspläne. Denn die ergeben wirklich Sinn!" Immerhin wirkt er etwas wacher als sonst, doch sein Status im Sextett zeigt sich alleine schon darin, dass keiner der Konkurrenten ihn angreifen möchte oder überhaupt wahrnimmt.

Sie sind damit beschäftigt, sich gegenseitig niederzumachen und unabhängige Wähler zu verschrecken.

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