TV-Debatte der Republikaner:Lieber Hillary Clinton als Donald Trump

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Karen Mason stellt dieser Wahlkampf vor einen Dilemma: Der Bruch zwischen der radikalen Tea-Party-Fraktion und dem Partei-Mainstream trete offen zutage. Sie hofft, dass am Ende die Anti-Establishment-Seite unterliegt - und dass sich die Rebellen hinter dem gemeinsamen Kandidaten scharen. "Wenn am Ende nur Trump oder Cruz übrig sind, dann wähle ich lieber Hillary", seufzt die 64-Jährige. Eigentlich könne sie die Demokratin nicht leiden, aber diese habe immerhin Erfahrung.

Teil 2: "Wir sind zuerst Amerikaner, dann Republikaner oder Demokraten"

Kasichs stärkste Phase kommt nach der ersten Werbepause. Konservativ zu sein, das bedeute für ihn, dafür zu sorgen, dass es allen besser gehe - und nicht nur einigen wenigen. Die Republikaner sollten auf Minderheiten zugehen und ihnen helfen, Unternehmer zu werden und sich etwas aufzubauen. Der Saal tobt, Susan Parker und Karen Mason klatschen begeistert.

Es sind diese optimistischen Sätze, mit denen Kasich sich als vernünftiger, konsensorientierter Kandidat empfehlen will. Anders als in Iowa sind die Republikaner in New Hampshire moderater und weniger religiös - gute Chancen für einen Pragmatiker. Zuletzt lag Kasich in Umfragen mit zwölf Prozent auf Platz vier, also hinter Cruz und Rubio, aber vor Christie und Bush.

Ansonsten verläuft diese Debatte wie gewohnt - abgesehen von permanenten Attacken gegen Rubio, die dieser nicht überzeugend parieren kann und daher oft versucht, das Thema zu wechseln. Spitzenreiter Trump verspricht viel und hält sich ansonsten raus, während Ben Carson wirkt, als würde er gegen das Einschlafen kämpfen. Cruz, der Sieger von Iowa, gibt den Ultra-Hardliner, der nur ein Mal menschlich wirkt. Weil in New Hampshire mehr Menschen an Heroin- und Schmerzmittel-Überdosis sterben als an Autounfällen, berichtet Cruz von seiner Halbschwester, die an ihrer Sucht starb - nur um sofort mehr Grenzkontrollen zu fordern, um den Schmuggel aus Mexiko zu unterbinden.

James Simon ist mit 400 Freiwilligen aus Ohio angereist, um bei Minusgraden und Schnee für Kasich zu werben. Der 40-Jährige jubelt, als Kasich sich dafür ausspricht, mit dem politischen Gegner zu kooperieren: "Wir sind zuerst Amerikaner, dann Republikaner oder Demokraten." Obama versuche dies schon lange nicht mehr: "Er benimmt sich wie ein König, dabei ist er Präsident." Auch Susan Parker und Karen Mason klatschen, als Kasich ruft: "Wenn ich Präsident werde, kauft euch am besten einen Sicherheitsgurt, denn allein in den ersten 100 Tagen wird unglaublich viel passieren." Beide sind zuversichtlich, dass es ihr Liebling am kommenden Dienstag unter die ersten drei schafft.

Teil 3: "Danke, New Hampshire"

Nach der letzten Werbepause versichern alle, dass sie die Gesundheitsversorgung für Veteranen verbessern und diese nicht so oft im Stich lassen wollen. "Das Pentagon muss sich direkt nach der Rückkehr um die Soldaten kümmern", fordert Kasich. Die anschließende Diskussion über Abtreibung interessiert die beiden Damen im "Riverside Room" nicht. "Darüber wird zu viel geredet. Junge Leute haben nichts gegen Abtreibung und Homo-Ehe", meint Parker. Ihr ist wichtig, dass die Schulden abgebaut werden und Amerika sicher bleibt. Mason ergänzt: "Ich wünsche mir mehr Mitgefühl. Es ist eine Schande, dass wir nicht mehr Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen."

Während alle im Saal auf John Kasich warten und noch mehr Pizza essen, sprechen die beiden Damen über Donald Trump. Auf seine Aussagen haben sie meist mit Kopfschütteln reagiert: "Er ist ein Entertainer und sehr reich. Viele Bürger haben das Gefühl, dass es bergab geht mit den USA. Sie glauben seinen simplen Lösungen und mögen es, dass er nicht politisch korrekt ist."

Für eine Viertelstunde schaut John Kasich selbst bei seinen Fans vorbei. Er verteidigt seinen Optimismus ("Die Medien sagen, dass man so nicht gewinnen kann. Beweisen wir ihnen das Gegenteil") und bittet die Helfer, bis zur Schließung der Wahllokale am Dienstagabend alles zu geben. "Eine gute Leistung in der Debatte ist gut, aber nichts hilft mehr als ein Gespräch von Bürgern zu Bürgern."

Der 63-Jährige posiert geduldig für Erinnerungsfotos und Selfies, doch um Mitternacht eilt er zum Reisebus, der ihn ins Hotel bringt. Auf ihn warten ein knappes Dutzend Termine in den nächsten drei Tagen - und seine Berater wollen sicher auch, dass die Helfer ins Bett kommen. Wer weiß schon, ob nicht am Ende einige Dutzend Stimmen entscheiden, wer bei der primary in New Hampshire auf dem zweiten oder dritten Platz landet.

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