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Turbulenzen an den Finanzmärkten:Merkel und Sarkozy vereinbaren Krisentreffen

An den Finanzmärkten herrscht Unruhe, in Europa geht die Angst vor einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs um - doch wie lässt sich die Krise meistern? Darüber wollen Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy in der kommenden Woche beraten. Aber reicht das?

Die Finanzmärkte sind nervös, an den Börsen vollziehen die Kurse sprunghafte Auf- und Abbewegungen und Gerüchte um eine Abwertung der Kreditwürdigkeit Frankreichs sorgen für Unruhe - und die Kanzlerin weilt im Urlaub. "Börsenbeben, Eurodrama: Warum schweigt die Kanzlerin?", titelte die Bild-Zeitung. Angela Merkel sieht sich mit der Frage konfrontiert, warum sie in der Krise den Urlaub nicht abbricht. Weil Angela Merkel es nicht muss, will und sollte, lautet die lapidare Antwort aus der Bundesregierung.

Nicolas Sarkozy und Angela Merkel

Gemeinsam gegen die Krise: Nicolas Sarkozy und Angela Merkel wollen kommende Woche über Wege aus der desolaten Finanzsituation beraten.

(Foto: dpa)

Anders als in Großbritannien - der britische Premier David Cameron war vorzeitig aus der Toskana heimgereist - gebe es in Deutschland keine Unruhen und auch keine Naturkatastrophe, bei denen die Politik sofort Trost spenden, Hilfe ankündigen oder Härte zeigen müsse. An Deutschlands Bonität gebe es auch keine Zweifel, wird mit Hinweis auf die Lage in Frankreich hinzugefügt. "Deshalb ist es das richtige Signal einer deutschen Regierungschefin, jetzt Verlässlichkeit und Beständigkeit zu zeigen", heißt es in Regierungskreisen.

Kommende Woche will sich die Kanzlerin dann aber auf der Großen Bühne zurückmelden. Direkt im Anschluss an ihren Urlaub wird sie nächste Woche mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in Paris über die Euro-Krise beraten, teilten die Bundesregierung und der Elysee-Palast nun mit.

Bei dem Treffen, das am 16. August stattfinden soll, stehen Pläne für eine bessere wirtschaftspolitische Steuerung der Euro-Zone auf der Agenda"Diese Vorschläge sollen die Überlegungen des Präsidenten des Europäischen Rates, Herman Van Rompuy, für bessere Arbeitsmethoden und für ein verbessertes Krisenmanagement in der Eurozone unterstützen", hieß es in der gemeinsamen Erklärung.

Merkel und Sarkozy hatten beim Gipfeltreffen zur Euro-Schuldenkrise am 21. Juli angekündigt, solche Vorschläge noch vor Ende des Sommers zu erarbeiten. Frankreich fordert eine Wirtschaftsregierung für die Euro-Zone, der sich Deutschland bisher widersetzt hat. Der Gipfel soll hier nun eine Einigung bringen

Urlaub während der Finanzkrise?

Bis dahin bemüht sich Merkel, angesichts der Debatte um ihren Urlaub nicht zu entspannt zu erscheinen. Sie sei seit dem Wochenende nicht mehr im Urlaub, sondern nur in einer "terminfreien Woche", wird in ihrem Umfeld betont. Beim Pendeln zwischen ihrer Wohnung in Berlin und der Datsche in der Uckermark sei Merkel in ständigem Kontakt mit Kanzleramtschef Ronald Pofalla und dem wirtschaftspolitischen Berater Lars-Hendrik Röller, hieß es. Zudem wird auf ihre Telefonate mit US-Präsident Barack Obama, Sarkozy, Cameron und Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Wochenende verwiesen.

Offene Zustimmung bekam Merkel am Donnerstag übrigens von unerwarteter Seite - der Linkspartei. "Die Kanzlerin hat ein Recht auf Urlaub", stellte Parteichefin Gesine Lötzsch fest, um gleich nachzukarten: Es sei "ohnehin völlig egal, ob die Kanzlerin im Urlaub ist oder nicht".