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Türkischer Präsident:Erdoğan: Frauen sollen sich auf Mutterrolle konzentrieren

Erdoğan und Ehefrau Emine

Findet eine Gleichberechtigung von Mann und Frau "unnatürlich": Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan - im Bild mit Ehefrau Emine bei einem Deutschlandbesuch im Februar dieses Jahres.

(Foto: dpa)
  • Der türkische Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan hat vor einem Frauenverband über die Rolle von Frauen und Männer gesprochen.
  • Seiner Ansicht nach sollen sich Frauen auf die Mutterrolle konzentrieren.
  • Auf Twitter regte sich harscher Widerstand gegen Erdoğans Äußerungen.

Gleichberechtigung widerspricht menschlicher Natur

Frauen und Männer können nach Ansicht des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan im Arbeitsleben nicht vollständig gleichberechtigt sein. "Sie können eine Frau nicht in die gleiche Position wie einen Mann bringen", sagte er in Istanbul auf einer Konferenz der Frauenorganisation Kadem. "Das widerspricht der menschlichen Natur." Das Wesen der Frauen und ihre körperlichen Voraussetzungen seien anders als bei Männern.

Für die Frau solle die Mutterschaft Vorrang haben, sagte Erdoğan weiter. Das entspreche der richtigen islamischen Lebensweise. "Feministinnen können Sie das nicht erklären." Diese akzeptierten die Idee der Mutterschaft nicht.

Erdoğan: Arbeit mit der Schaufel widerspricht zierlicher Statur

Erdoğan betonte: "Man kann Frauen nicht die gleiche Arbeit wie Männer machen lassen, wie es in der Vergangenheit unter kommunistischen Regimes geschehen ist. Gib ihr eine Schaufel und lass sie arbeiten? So etwas geht nicht. Das widerspricht ihrer zierlichen Statur." Wenn eine Frau stille, könne sie auch nicht die gleiche Arbeit leisten wie ein Mann, der nicht eine solche Verpflichtung zu erfüllen habe.

Frauenorganisationen protestierten auf Twitter gegen Erdoğan Äußerungen. Sie riefen unter dem Hashtag #kadinerkekesittir (Frauen und Männer sind gleich) zu Protesten in Istanbul und Ankara für Dienstag auf.

Umstrittene Äußerungen schon in der Vergangenheit

Erdoğans Ansichten über die Rolle der Frau sind auch in der Türkei umstritten. Mehrfach hatte Erdogan in der Vergangenheit erklärt, eine türkische Frau solle mindestens drei Kinder haben. Außerdem sprach er sich im vergangenen Jahr dagegen aus, dass Frauen und Männer in Wohngemeinschaften zusammenleben. Damals war Erdoğan noch Ministerpräsident der konservativ-islamischen AKP-Regierung. Kritiker werfen dem heutigen Staatspräsidenten vor, die streng laizistische Türkei islamisieren zu wollen.

© SZ.de/dpa/fie/anri
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