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Türkisch-syrischer Grenzkonflikt:Türkei droht mit harten Vergeltungsschlägen

"Wenn der Beschuss weitergeht, werden wir mit mehr Gewalt reagieren." Der türkische Generalstabschef hat angekündigt, auf jeden Angriff aus Syrien mit einem Vergeltungsschlag zu reagieren. Das Assad-Regime unterstellt dem Nachbarland, die jüngsten Angriffe an der Grenze selbst inszeniert zu haben.

Im Konflikt zwischen Syrien und der Türkei droht eine neue Eskalation: Die Türkei will auf weiteren Beschuss aus Syrien mit einem verschärften Militäreinsatz reagieren, wie der türkische Generalstabschef Necdet Özel laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Dogan sagte.

Auch an diesem Mittwoch schlugen auf türkischer Seite mehrere Mörsergranaten ein, was offenbar erneut mit einem Gegenangriff erwidert wurde. "Wir haben reagiert und wenn der Beschuss weitergeht, werden wir mit mehr Gewalt reagieren", sagte der türkische Generalstabschef Özel.

Syrien wirft der Türkei unterdessen vor, die jüngsten Angriffe an der Grenze selbst inszeniert zu haben. Die regierungsnahe syrische Tageszeitung Al-Watan schrieb, Ziel dieser Taktik sei, die Einrichtung eines "befreiten Gebietes" im Norden der syrischen Provinz Idlib durchsetzen. Dieses läge auf syrischer Seite, würde aber von der türkischen Armee geschützt.

Im türkisch-syrischen Grenzgebiet kommt es seit Tagen zu Auseinandersetzungen. Vergangene Woche kamen fünf Menschen bei einem Granateneinschlag aus Syrien im türkischen Grenzdorf Akcakale ums Leben. Daraufhin hatte das türkische Militär das Feuer mit erwidert. Der türkische Regierungschef Erdogan versuchte den Vergeltungsangriff zu rechtfertigen. Die Türkei habe "auf die stärkste Art und Weise Vergeltung üben müssen, die uns möglich war", sagte Erdogan bei einem Treffen der Islamischen Konferenz in Istanbul.

Die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete unterdessen von Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen nahe der syrischen Stadt Asmarin in der Provinz Idlib. In Asmarin, unweit der türkischen Grenze, seien die Menschen aus ihren Häusern geflohen. Einige von ihnen versuchten, in Ruderbooten über den Grenzfluss Orontes in die Türkei zu gelangen.

In der türkischen Provinz Hatay seien Explosionen und Schüsse zu hören, die aus der Region um Asmarin kämen, meldete der private Fernsehsender NTV. Demnach lieferten sich Aufständische Gefechte mit etwa 500 Soldaten der syrischen Regierung. Mindestens 100 Rebellen seien verletzt worden. Einige von ihnen seien zur Behandlung in die Türkei gebracht worden, hieß es.

Die Nato hatte der Regierung in Ankara am Dienstag demonstrativ Rückendeckung für den Fall einer weiteren Eskalation im türkisch-syrischen Grenzkonflikt zugesagt. "Wir haben alle notwendigen Pläne bereitliegen, um die Türkei zu schützen und zu verteidigen", sagte Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel. "Wir hoffen aber, dass dies nicht notwendig sein wird."

© Süddeutsche.de/dpa/dapd/ske/olkl

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