Der Drittplatzierte des ersten Wahlgangs um die Präsidentschaft in der Türkei hat Amtsinhaber Recep Tayyip Erdoğan seine Unterstützung für die Stichwahl ausgesprochen. Sinan Oğan rief seine Wähler am Montag dazu auf, bei der Stichwahl am 28. Mai für Erdoğan zu stimmen. Beobachter waren davon ausgegangen, dass die Wähler des Rechtsaußenkandidaten ohnehin zu großen Teilen in das Erdoğan-Lager wechseln würden.
Ob Oğans öffentliche Wahlempfehlung tatsächlich einen Einfluss auf die Wählerentscheidung hat, ist umstritten. Sinan Oğan hatte in der ersten Runde gut fünf Prozent der Wählerstimmen bekommen. Kurz vor seiner Rede hat sich das ultranationalistische Parteien-Bündnis, dessen Kandidat er war, aufgelöst. Einer der ehemaligen Bündnispartner nannte die Erklärung Oğans dessen "eigene politische Präferenz", ein anderes Ex-Allianz-Mitglied hatte am Sonntag seine Unterstützung für den Erdoğan-Herausforderer Kemal Kılıçdaroğlu verkündet.

Türkei:Der Mann, der Erdoğan zur Wiederwahl verhelfen kann
Dem Nationalisten Sinan Oğan kommt bei der Stichwahl in zwei Wochen die Rolle des Königsmachers zu. Schon jetzt stellt er mit breiter Brust extrem rechte Forderungen auf.
Erdoğan geht als Favorit in die Wahl am kommenden Sonntag. Er landete in der ersten Runde gut 4,5 Prozentpunkte vor dem zweitplatzierten Kılıçdaroğlu, der ein Ende der autokratischen Politik Erdoğans versprochen hatte. Oğan und Erdoğan stimmen hingegen in vielen Punkten überein, beispielsweise was eine harte Linie gegenüber kurdischen Separatisten betrifft.
"Es ist wichtig, dass das Parlament und die Präsidentschaft von derselben politischen Gruppe gehalten werden, um die Stabilität zu erhalten", sagte Oğan, als er seine Unterstützung für Erdoğan ankündigte. Dessen Bündnis hat bei den Wahlen mehr als die Hälfte der Sitze in der 600 Sitze zählenden Generalversammlung der Türkei gewonnen. Zuvor hatte Oğan betont, dass er bei seiner Überlegung, welchen Kandidaten er nun unterstütze, viel Wert auf die Stabilität des Landes legen werde.
Oğan machte in der Vergangenheit jedoch auch deutlich, dass er eine Gegenleistung für seine Unterstützung verlange. Ihm schwebte ein Regierungsamt oder die Vizepräsidentschaft vor. Am Montag sagte er, seine Kampagne habe die Nationalisten zu Königsmachern in der Politik gemacht.
Kılıçdaroğlu twitterte kurz nach der Ankündigung Oğans, nun sei klar, wer auf der Seite der Türkei stehe und wer das Land verkaufe, ohne Oğan namentlich zu erwähnen. Er rief zudem die rund 8,3 Millionen Nicht-Wähler im Land auf, ihre Stimme abzugeben.

