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Türkei:Verwirrender Kurs

In der Türkei hat die kurzfristige Ankündigung einer Corona-Ausgangssperre und dann deren ebenso kurzfristige Aufhebung durch den Staatschef persönlich für Verwirrung gesorgt. Am Donnerstagabend hatte Gesundheitsminister Fahrettin Koça bei der routinemäßigen Bekanntgabe der Corona-Statistik keinen Lockdown erwähnt. Dann gab das Innenministerium am späten Abend überraschend bekannt, dass für 15 Regionen und Städte Ausgangssperre gelten. Am Freitagvormittag nahm Staatschef Recep Tayyip Erdoğan ebenso unerwartet via Twitter die Maßnahme zurück: Der Lockdown würde zu "unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen führen". Er habe es nicht "über das Herz gebracht", dass die Bürger ein weiteres Mal zuhause bleiben müssten. Die öffentliche Kritik habe ihn veranlasst, "die Entscheidung zu überdenken." Angesichts nicht stabiler Corona-Zahlen forderte er die Bevölkerung aber auf, die Vorschriften des social distancing einzuhalten und Maske zu tragen. Erst Mitte der Woche hatte die Türkei die Regierung die Normalisierung des öffentlichen Lebens eingeleitet. Der Inlandsflugverkehr wurde aufgenommen, Restaurants sowie Museen und Sportstudios durften öffnen. Zu Beginn der Corona-Krise Mitte März hatte die kurzfristige Verhängung einer Ausgangssperre mit einem Vorauf von nur zwei Stunden schon einmal zu einem chaotischen Ansturm auf Lebensmittelgeschäfte geführt. Innenminister Süleyman Soylu hatte die Verantwortung für das Durcheinander übernommen und den Rücktritt angeboten. Erdogan lehnte dies jedoch ab.

© SZ vom 06.06.2020

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