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Erdoğan-Besuch in Brüssel:Warum die EU die Türkei mehr denn je braucht

Anhänger des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Straßburg.

(Foto: AFP)

Die EU und die Türkei sind sich fremd geworden. Doch die Flüchtlingskrise beweist: Europa kann es sich nicht leisten, weiter auf Distanz zu bleiben.

Von Mike Szymanski

Als Fremder wird der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan an diesem Montag in Brüssel empfangen werden. In seinem Land werden regierungskritische Journalisten von den Sicherheitsbehörden wie Verbrecher verfolgt und von Anhängern der Partei Erdoğans - der AKP - gejagt wie Freiwild.

Erdoğan hat seine Armee wieder in den aussichtslosen Krieg gegen die Kurden geschickt. Bei der Wahl am 7. Juni erhielt die prokurdische Partei HDP überraschend starke 13 Prozent. Sie blockierte damit erstmals seit 2002 den Weg zu einer Alleinregierung der AKP. Am 1. November wird nun in der Türkei neu gewählt. Erdoğan hofft, dass dann das Ergebnis stimmt. Das versteht er unter Demokratie.

Der türkische Dichter Nâzim Hikmet hat geschrieben: "Du siehst nur den Horizont, der heller wird / Ich auch die Nacht." Haben sich viele Europäer denn so sehr in diesem Land getäuscht? Wollten auch sie nur das Helle sehen, und ist es tatsächlich schon finstere Nacht geworden?

Die Distanz zur Türkei muss kleiner werden

Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren, es war die Nacht zum 4. Oktober 2005, haben die Europäische Union und die Türkei offizielle Verhandlungen über den Beitritt des Landes in die EU aufgenommen. Kein anderes Land hat länger darauf gewartet. Bei keinem anderen Land hat sich die EU so angestellt wie bei der Türkei.

Heute, zehn Jahre später, muss man mit Erschrecken feststellen: Ein Prozess, der mindestens zur weiteren Annäherung hätte führen sollen und im besten Fall zur Mitgliedschaft hätte führen können, brachte die völlige Entfremdung. Das ist nicht nur ein beispielloser Vorgang, sondern auch ein bedauernswerter. Im Jahr 2015 brauchen die Türkei und die EU einander stärker denn je.

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