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Türkei:Türkei-Chef von Amnesty International verhaftet

  • Taner Kılıç, der Chef der türkischen Sektion von Amnesty International, ist zusammen mit 22 weiteren Anwälten verhaftet worden.
  • Die Regierung in Ankara wirft ihm Beziehungen zur Gülen-Bewegung vor.
  • Amnesty wirft den türkischen Behörden "Willkür" vor und fordert die Freilassung der Menschenrechtler.

Der Vorsitzende von Amnesty International in der Türkei, Taner Kılıç, ist nach Angaben der Menschenrechtsorganisation in Untersuchungshaft genommen worden. Der Haftbefehl gegen Kılıç wurde demnach am Dienstagmorgen in seinem Haus in der Küstenstadt Izmir vollstreckt. Das Büro der Organisation und die Wohnung Kılıçs sollen bei der Festnahme durchsucht worden sein. Kılıç wird vorgeworfen, Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen zu haben, die Ankara für den gescheiterten Putschversuch verantwortlich macht.

Der Menschenrechtsanwalt wurde nach Angaben von Amnesty International mit weiteren 22 Anwälten festgenommen. Einem Bericht der Zeitung Hürriyet zufolge werden Kılıç und die Juristen beschuldigt, eine Messenger-App zu benutzen, die nach Darstellung der Regierung unter Gülen-Anhängern beliebt ist.

"In Ermangelung glaubwürdiger und zulässiger Beweise für Verstrickungen in international anerkannte Verbrechen rufen wir die türkischen Behörden auf, Kılıç und die 22 anderen Anwälte sofort freizulassen und alle Vorwürfe gegen sie fallenzulassen", teilte Amnesty International mit. Salil Shetty, Generalsekretär der Organisation, erklärte: "Die Tatsache, dass die türkische Säuberungskampagne nach dem Putsch nun auch den Vorsitzenden von Amnesty International in der Türkei in ihren Strudel gezogen hat, zeigt einmal mehr, wie weitreichend und willkürlich diese Kampagne geworden ist."

Es gebe derzeit aber keinen Hinweis darauf, dass die Festnahme von Kılıç im Zusammenhang mit seiner Arbeit für Amnesty stehe. Auch sehe es nicht nach einem speziellen Vorgehen gegen die Organisation aus. Es sei unklar, weshalb Kılıç verdächtigt werde, Verbindungen zum Gülen-Netzwerk zu haben, sagte Shetty.

Kılıç verteidige seit Jahren "genau jene Freiheiten, welche die türkischen Behörden jetzt zertrampeln". Im Zusammenhang mit dem Putschversuch in der Türkei sitzen inzwischen mehr als 50 000 Verdächtige wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung in Untersuchungshaft. Die türkischen Behörden waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

© SZ.de/dpa/AFP/Reuters/jael/bemo/stein
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