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Türkei:Seltsam hohl

Die Regierung zeigt Stärke - doch in Wahrheit ist das Land schwach.

Nach dem Putschversuch vom 15. Juli ist die Türkei in den bitteren Terror-Alltag zurückgekehrt. Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Hochzeitsfeier in Gaziantep starben mindestens 50 Menschen. Wieder frisst sich Kummer, Trauer und Wut in die Herzen. Gönnt denn niemand mehr diesem Land auch nur einen Hauch von Glück?

Wenige Stunden zuvor hat der türkische Premierminister Binali Yıldırım angekündigt, sein Land werde sich in den kommenden sechs Monaten stärker in den Syrienkonflikt einmischen. Der Anschlag von Gaziantep lässt die Botschaft der Stärke seltsam hohl wirken. Im Moment ist das Land nicht einmal in der Lage, sich selbst zu schützen. Es stimmt schon: Gerade in der Türkei mit seiner 900 Kilometer langen Grenze zu Syrien scheint ein Frieden im Land ohne Frieden im Nachbarland Syrien mittlerweile schwer denkbar. Aber Ankara übernimmt sich. Im Zuge des gescheiterten Putsches hat die Regierung Zehntausende Beamte suspendiert, die sie für Umstürzler hält. Sie hält den gesamten Staatsapparat für von Feinden unterwandert. Keiner traut dem anderen. Es fehlt auch ganz praktisch an Leuten, an Experten, im Anti-Terror-Kampf. Die PKK wütet schon wieder. Nun hat womöglich auch der "Islamische Staat" zugeschlagen.

Das Land hat zwar mit vereinten Kräften einen Putsch vereiteln können. Jetzt ist es aber verwundbarer denn je.

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