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Türkei:Prozess um Khashoggi-Mord beginnt

In Istanbul sind 20 saudische Staatsbürger angeklagt, den Dissidenten Jamal Khashoggi ermordet zu haben - unter ihnen Berater des Kronprinzen.

Von Tomas Avenarius, Istanbul

Der Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder des Journalisten Jamal Khashoggi hat am Freitag in Istanbul begonnen. Des Mordes an dem Dissidenten angeklagt sind 20 saudische Staatsbürger, unter ihnen zwei enge Berater des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Keiner der Angeklagten ist in der Türkei. Der regierungskritische Journalist Khashoggi war am 2. Oktober 2018 im saudischen Generalkonsulat von einem 15-köpfigen Geheimdienstteam getötet worden. Die saudische Führung hat den Mord zwar zugegeben, bestreitet aber trotz zahlreicher Indizien jede Verwicklung von Kronprinz Mohammed in das Verbrechen. Khashoggi hatte den Prinzen, der der eigentliche Machthaber in dem arabischen Land ist, in Zeitungsartikeln und TV-Auftritten scharf kritisiert.

Der Journalist war am Tattag im Konsulat erschienen, um Dokumente für seine Hochzeit abzuholen. Da der türkische Geheimdienst das Gebäude offenbar elektronisch überwachte, gibt es Tonaufzeichnungen der Strangulation Khashoggis, der anschließend von einem Arzt zerstückelt wurde. Saudi-Arabien lehnt die Auslieferung der Angeklagten ab. Elf Personen wurde in Saudi-Arabien bereits ein Prozess gemacht, es wurden fünf Todesurteile verhängt.

© SZ vom 04.07.2020/cat

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