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Türkei:Merkel setzt sich für Deniz Yücel ein

Deniz Yücel

Deniz Yücel, seit Mai 2015 Türkei-Korrespondent der Welt, sitzt wegen Terror-Verdachts in Haft.

(Foto: Karlheinz Schindler/dpa)

Die Kanzlerin appelliert an ihren Amtskollegen: Der in der Türkei inhaftierte Journalist Yücel solle fair behandelt werden.

Von Mike Szymanski

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich am Wochenende persönlich für den von der türkischen Polizei festgehaltenen Welt-Korrespondenten Deniz Yücel eingesetzt. Bei einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Binali Yıldırım am Samstag bei der Münchner Sicherheitskonferenz habe Merkel den Fall ausführlich angesprochen, teilte ihr Sprecher mit. "Die Bundeskanzlerin drückte die Erwartung der Bundesregierung aus, dass Deniz Yücel eine faire und rechtsstaatliche Behandlung erfährt." Sie habe zudem darauf hingewiesen, wie wichtig es sei, dass Yücel durch die deutsche Botschaft umfassend konsularisch betreut werden kann.

Yıldırım hat nach eigenen Angaben keine Kenntnis über die genauen Vorwürfe gegen den Journalisten. "Die Akte selbst kenne ich nicht, das muss ich auch nicht", sagte Yıldırım am Sonntag vor Journalisten in München. "Das ist eine Angelegenheit der Staatsanwaltschaft." Yücel hatte sich am vergangenen Dienstag in Istanbul von sich aus aufs Polizeipräsidium begeben, um sich Fragen der Ermittler zu stellen. Seitdem befindet er sich im Polizeigewahrsam. Die türkischen Behörden werfen dem 43-Jährigen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Datenmissbrauch und Terrorpropaganda vor.

Um Weihnachten herum hatte Yücel offenbar erfahren, dass die Behörden gegen ihn und einige türkische Journalisten ermittelten. Bei den Anschuldigungen gegen ihn scheint es um gehackte E-Mails zu gehen, die vom Mailkonto von Energieminister Berat Albayrak stammen sollen, dem Schwiegersohn von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan. Yücel hatte über die von einer Gruppe namens Redhack verbreiteten Mails zwei Artikel verfasst. Redhack gilt in der Türkei als Terrororganisation. Die türkischen Behörden benutzen den Terrorvorwurf seit Monaten exzessiv, um gegen regierungskritische Journalisten vorzugehen. Unter dem Ausnahmezustand, der seit dem Putschversuch gilt, wurden ihre Rechte ausgehöhlt. Weil Yücel neben der deutschen auch die türkische Staatsbürgerschaft besitzt, haben die deutschen Behörden wenig Einfluss.

© SZ vom 20.02.2017
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