Türkei-Konflikt:Türkei zieht schwarze Liste deutscher Unternehmen zurück

Nationaler Sicherheitsrat der Türkei

Die Türkei spricht von einem Missverständnis. (Archivbild)

(Foto: dpa)
  • Die Türkei hat dem Innenministerium zufolge eine umstrittene Liste mit deutschen Unternehmen zurückgezogen, denen Ankara Terrorismusunterstützung vorgeworfen hatte.
  • Der türkische Innenminister Soylu soll von einem Missverständnis gesprochen haben.

Die Türkei hat von einer Liste Abstand genommen, auf der sie Hunderten deutschen Unternehmen Unterstützung von Terror vorwirft. Das teilte ein Sprecher von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Montag in Berlin mit. Die Regierung in Ankara zog das Dokument am Wochenende förmlich bei Interpol zurück. Demnach soll der türkische Innenminister Süleyman Soylu auf eigenen Wunsch hin mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière telefoniert und von einem Missverständnis gesprochen haben. Ein Sprecher des deutschen Innenministeriums bestätigte, dass es dieses Telefonat gegeben hat.

Die Türkei hatte die Liste über Interpol an Deutschland weitergeleitet. In dem Dokument tauchten die Namen von 681 deutschen Unternehmen und Einzelpersonen auf, denen Ankara vorwirft, Terror zu unterstützen und der Gülen-Bewegung nahezustehen.

Wie der Spiegel berichtet, sprachen hochrangige Vertreter türkischer Sicherheitsbehörden im Zusammenhang mit der Liste von einem Kommunikationsproblem. Die aufgelisteten deutschen Firmen hätten lediglich mit 140 türkischen Unternehmen geschäftliche Beziehungen gehabt, gegen die wegen Steuerhinterziehung und Terrorismusunterstützung ermittelt werde. Gegen die deutschen Firmen selbst sei nie ermittelt worden.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland sind derzeit extrem angespannt. Als Reaktion auf die Verhaftung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner und der anhaltenden Inhaftierung des deutschen Journalisten Deniz Yücel hatte die Bundesregierung zuletzt ihre Reisehinweise für die Türkei verschärft. Außenminister Sigmar Gabriel verurteilte das Handeln der Führung in Ankara und sprach von einer "willkürlichen Verhaftung". Inzwischen haben die Anwälte Steudtners Einspruch gegen seine Untersuchungshaft eingelegt.

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