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Türkei:Tolu und ihr Sohn teilen sich eine Zelle mit 24 anderen Frauen

Ihre Anwältin sagt, an diesen ersten Prozesstagen gehe es vor allem darum, Tolu aus der Untersuchungshaft freizubekommen. Das Verfahren hält Tonç für politisch motiviert, "auch das Urteil wird politisch motiviert sein". Man habe "erst die Verdächtige festgenommen und dann nach Beweisen gesucht", sagt die Verteidigerin.

Tolus Fall hat in Deutschland ähnliche Empörung ausgelöst wie die Inhaftierungen des deutschen Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner und des deutsch-türkischen Welt-Korrespondenten Deniz Yücel. Tolu ist in Ulm geboren, 2007 erhielt sie die deutsche Staatsbürgerschaft, sie gab die türkische ab. In Deutschland ist die Solidarität groß, in Tolus Heimatstadt Neu-Ulm und anderswo haben sich Unterstützerkreise gebildet. Die Bundesregierung hat sich bisher vergeblich eingesetzt für Tolus Freilassung. Mitarbeiter des deutschen Konsulats besuchen sie jede Woche. Ihr Vater ist überzeugt, dass die Verhaftung in erster Linie mit ihrem deutschen Pass zu tun hat. Seine Tochter sei politische Geisel im Streit zwischen Ankara und Berlin.

Meşale Tolu und ihr Sohn teilen sich in Bakırköy eine Zelle mit 24 anderen Frauen. Spielzeug ist nicht erlaubt, eine Stunde am Tag dürfen sie in den Hof. In regelmäßigen Abständen bringt der Großvater seinen Enkel ins Hochsicherheitsgefängnis in Silivri im Westen Istanbuls, wo der Vater einsitzt. Sein Verfahren soll Ende November beginnen, die Vorwürfe lauten ähnlich wie gegen seine Frau. Ihr Prozess findet ironischerweise genau dort statt, hinter den Gefängnismauern von Silivri, wenige Meter Luftlinie von ihrem Mann entfernt.

Kader Tonç sagt, es gehe ihrer Mandantin den Umständen entsprechend gut. Sie sei gesund und guter Dinge. Tolu selbst schrieb aus dem Gefängnis, sie sei sicher, dass diese dunkle Zeit verfliegen werde. "Egal wie finster die Nacht ist, der Morgen ist umso heller."

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