Türkei:Herausgeber der "Cumhuriyet" in der Türkei verhaftet

Polizeirazzia gegen Cumhuriyet

Bereits am 31. Oktober waren die Räume der Zeitung durchsucht und mehrere Mitarbeiter festgenommen worden.

(Foto: AFP)
  • Akın Atalay, Herausgeber der regierungskritischen Zeitung Cumhuriyet, ist in Istanbul verhaftet worden.
  • Atalay kam gerade aus Berlin, wo er eine Veranstaltung der Kölner Dependance der türkischen Oppositionspartei CHP besucht hatte.
  • Atalay wusste, dass nach ihm gefahndet wird. Am 9. November kündigte er dennoch per Tweet an, dass er in die Türkei zurückkehren werde.

In der Türkei ist der Herausgeber der regierungskritischen Zeitung Cumhuriyet festgenommen worden. Das berichtet die Zeitung auf ihrer Homepage. Zu sehen ist ein Video, das Akın Atalay zeigt, der gerade auf dem Atatürk Flughafen in Istanbul gelandet ist. Er wird von Polizisten in Zivil abgeführt und zu einem Bus gebracht. Anschließend fuhren ihn die Beamten laut Cumhuriyet ins Istanbuler Polizei-Hauptquartier.

Atalay kam gerade aus Berlin, wo er eine Veranstaltung der Kölner Dependance der türkischen Oppositionspartei CHP und der Nazım Hikmet Kulturstiftung besucht hatte. Die Vorwürfe sind die üblichen: Verbindungen zur verbotenen kurdischen Terrororganisation PKK und zur Bewegung des im US-Exil lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen, der für den Putschversuch vom Juli verantwortlich gemacht wird.

Atalay wusste, dass nach ihm gefahndet wird. Am 9. November kündigte er an, dass er in die Türkei zurückkehren werde. In einem Tweet schrieb er: "Bittesehr" und verlinkte einen in der Cumhuriyet veröffentlichten Brief an die Leser.

Die türkische Staatsführung geht seit dem gescheiterten Putsch massiv gegen oppositionelle Medien vor und ließ vergangene Woche neun Mitarbeiter der Cumhuriyet wegen "terroristischer Aktivitäten" inhaftieren. Darunter auch den Chefredakteur, Murat Sabuncu. Er war auf den langjährigen Chef Can Dündar gefolgt.

Dündar leitete bis August die Zeitung, im Mai wurde er in der Türkei wegen Spionage zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilt, das Urteil trat jedoch noch nicht in Kraft. Im Juli floh er ins europäische Ausland und lebt seither in Berlin. Der Journalist hatte über mutmaßliche Waffenlieferungen des türkischen Geheimdiensts MIT an syrische Islamisten berichtet und saß deshalb drei Monate lang in Untersuchungshaft.

© SZ.de/dayk/anri
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