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Türkei:Die Jugendorganisation der PKK gilt als besonders gewaltbereit

Doch sie unterschlägt den Anteil militanter Kurden an der Eskalation. In Dutzenden Stadtvierteln haben sie sogenannte Selbstverwaltungszonen eingerichtet, die sie nun gegen die Staatsmacht verteidigen. Die Jugendorganisation YDG-H spielt dabei eine Schlüsselrolle, sie hat in den vergangenen Monaten Straßensperren errichtet und Gräben gezogen, die das Militär aus den "befreiten Zonen" fernhalten sollen. Das Gewaltpotenzial der YDG-H ist groß. Ihr gehören kurdische Jugendliche an, die oft in großer Armut und voller Hass auf den Staat aufgewachsen sind. Viele haben Angehörige, die im Kampf gegen die Armee gefallen sind.

Die Organisation steht der PKK ideologisch nahe. Doch ob sie sich von der PKK-Führung noch steuern lässt, ob sie sich wirklich zu einem Waffenstillstand bewegen ließe, wenn der inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan dazu aufriefe - all das ist unklar.

Eine Rückkehr an den Verhandlungstisch ist derzeit ohnehin nicht in Sicht. Dabei hatte es lange so ausgesehen, als sei eine Lösung denkbar. Der damalige Regierungschef Erdoğan initiierte Verhandlungen mit Vertretern der PKK; die rief 2013 einen Waffenstillstand aus, der zweieinhalb Jahre währte. Es blieb ein instabiler Prozess voller Misstrauen. Ankara war daran gelegen, die PKK zu entwaffnen, die Kurden wollten regionale Autonomie. Die Crisis Group beschreibt in einem aktuellen Bericht, wie beide Seiten parallel zu den Verhandlungen aufrüsteten - um vorbereitet zu sein, wenn die Gespräche scheitern sollten.

Der syrische Bürgerkrieg trug dazu bei, die Friedensgespräche zu vergiften

Der syrische Bürgerkrieg tat ein Übriges, um die Friedensgespräche zu vergiften. Die Kurden warfen Ankara vor, den "Islamischen Staat" zu dulden oder gar zu fördern. Tatsächlich ließ die Regierung den IS lange gewähren, der türkisches Territorium als Rückzugsraum nutzte. Viel mehr als den IS fürchtete Ankara die Solidarität zwischen der PKK und ihrem syrischen Ableger, der PYD. Zwar hat sich die Türkei der internationalen Koalition gegen den IS inzwischen angeschlossen. Doch jeder militärische Erfolg der syrischen Kurden ist Ankara ein Dorn im Auge - er könnte die Autonomiewünsche der Kurden in der Türkei befeuern.

So reichte ein Funke, um das Pulverfass zur Explosion zu bringen. Das Attentat von Suruç, bei dem ein mutmaßlicher IS-Anhänger 33 prokurdische Aktivisten tötete, setzte die Eskalation in Gang. Weil sie den Sicherheitskräften eine Mitschuld an dem Anschlag gab, ermordete die PKK zwei Polizisten. Ankara ließ Stellungen der PKK bombardieren. Seither regiert wieder das alte Muster von Gewalt und Gegen-Gewalt.

Warum die internationale Gemeinschaft nichts tut, um den Kurden zu helfen, kann Aycan İrmez nicht verstehen. "Wenn es um das kurdische Volk geht, sind die Ohren, Augen und Münder der Weltöffentlichkeit verschlossen", sagt sie. Tatsächlich ist die Kritik am Vorgehen gegen die Kurden leise geworden, seit die Türkei als Partner in der Flüchtlingskrise und im Kampf gegen den IS gebraucht wird.

© SZ vom 21.12.2015/dayk

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