Süddeutsche Zeitung

Istanbul und Izmir:Zwei weitere Deutsche zeitweise in der Türkei festgesetzt

  • Der Hamburger Theater-Intendant Mahmut Canbay wurde acht Stunden bei der Einreise nach Izmir verhört und anschließend in ein Flugzeug zurück nach Köln gesetzt.
  • Ein 21 Jahre alter Bundeswehrsoldat durfte zeitweise Istanbul nicht verlassen, nachdem er in einer bekannten Einkaufsstraße ein Handyvideo drehen wollte und von Polizisten anschließend aufs Revier gebracht worden war.
  • Zudem sitzen zwei weitere Deutsche wegen des Verdachts auf Terrorpropaganda seit einigen Wochen in türkischer Untersuchungshaft.

Die Zahl der in der Türkei festgesetzten Deutschen ist um zwei weitere Fälle gestiegen: Der Intendant eines Hamburger Theaters, Mahmut Canbay, ist bei seiner Einreise in die Türkei am Flughafen in Izmir festgenommen worden. Er sei acht Stunden lang verhört worden, sagte Canbay der Deutschen Presse-Agentur. Man habe ihm am Donnerstagabend ein Einreiseverbot erteilt.

Canbay, der laut Hamburger Morgenpost deutscher Staatsbürger ist, wollte mit einer Jugendgruppe an einem Theaterfestival in der westtürkischen Metropole Izmir teilnehmen. Er ist Intendant des Mut!Theaters im Hamburger Schanzenviertel und hat sich dem Bericht zufolge nach eigener Aussage immer wieder kritisch gegenüber dem türkischen Präsideneten Recep Tayyip Erdoğan geäußert.

Canbay sagte der Deutschen Presse-Agentur, ihm sei ein Anwalt verweigert worden. Die Sicherheitsleute hätten ihm erklärt, dass sie mit ihm als Terrorverdächtigen alles machen dürften. Man habe ihn gezwungen, sein Smartphone zu entsperren und habe alle Mails, Kontakte und Chats überprüft. Unter anderem sei er zu einer Karikatur des türkischen Präsidenten befragt worden, die ihm ein Bekannter per Whatsapp zugeschickt hatte. Auf dieser wird Erdoğan als Diktator dargestellt. Er sei gefragt worden, warum er diese nicht gelöscht habe. Schließlich sei er in eine Maschine nach Köln gesetzt worden. Erst in Deutschland habe man ihm seinen Pass wieder ausgehändigt.

Bundeswehrsoldat durfte Istanbul zeitweise nicht verlassen

Auch ein Bundeswehrsoldat aus Hessen ist in der Türkei mit der Justiz in Konflikt geraten. Er durfte der Hessenschau zufolge Istanbul zeitweise nicht verlassen, ist inzwischen aber wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Dem 21-jährigen Soldaten von der Division Schnelle Kräfte am Bundeswehrstandort Stadtallendorf, der privat nach Istanbul gereist war, wurde dem Bericht zufolge ein Selfie-Video zum Verhängnis. Offenbar wollte der Mann auf einer der bekanntesten Einkaufsstraßen, der Istiklal Caddesi, ein Handyvideo drehen und wurde daraufhin von Zivilpolizisten aufgehalten. Da er sein Handy nicht entsperren wollte, wurde er auf die nächstgelegene Polizeistation gebracht.

Erst am Mittwoch hatte das Auswärtige Amt bestätigt, dass einem 43 Jahre alten Sozialarbeiter aus Bremen seit mehr als drei Wochen die Ausreise nach Deutschland verwehrt wird. Ihm hatten die Behörden vorgeworfen, als Musiker bei einem Verein aufgetreten zu sein, dem die Türkei Terrorunterstützung vorwirft. Das Regionalmagazin "buten un binnen" von Radio Bremen meldete aber, der Mann dürfe kommende Woche ausreisen.

Schwieriger ist die Lage eines 36-jährigen Mannes aus Hessen mit türkischen Wurzeln, der bereits Ende Juli bei der Einreise im türkischen Badeort Antalya festgenommen worden war. Am Dienstag war bekannt geworden, dass der Mann wegen Fluchtgefahr zunächst in Untersuchungshaft bleiben muss. Die Justiz wirft ihm laut WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung "Terrorpropaganda" auf Facebook vor.

Im Jahr 2017 hatte eine ganze Serie von Festnahmen deutscher Staatsbürger aus solchen "politischen Gründen" zu einer schweren Krise zwischen Berlin und Ankara geführt. Seitdem ist die Mehrzahl dieser Deutscher freigekommen. Allerdings werden immer wieder Deutsche - vor allem Deutsche mit türkischen Wurzeln - bei der Einreise oder während des Urlaubs festgenommen oder mit einer Ausreisesperre belegt.

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