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Türkei:Erdoğan will nun auch Wirtschaftsvertreter verfolgen

Der türkische Präsident Erdoğan will nun auch Wirtschaftsvertreter verfolgen.

(Foto: AFP)

Geschäftsleute hätten den Putschversuch finanziert, sagt der türkische Präsident. Die Bevölkerung ruft er auf, falls nötig die eigenen Verwandten zu denunzieren.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan will die Verfolgungen nach dem Putschversuch in der Türkei auch auf die Wirtschaft ausweiten. "Die, die bis jetzt gefasst wurden, sind nur die Spitze des Eisbergs", sagte Erdoğan vor den Vorsitzenden von Handelskammern und Börsen in Ankara. Die Gülen-Bewegung sei besonders stark im Wirtschaftssektor vertreten.

Erdoğan rief dazu auf, Gülen-Anhänger aus der Geschäftswelt den Behörden zu melden. "Ich sage euch, das kann sogar euer Verwandter sein." Wer die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen finanziere, trage nicht weniger Schuld am gescheiterten Putsch vom 15. Juli als die Putschisten selber.

Der Präsident macht Gülen und seine Gefolgsleute für den Umsturzversuch verantwortlich. Er kündigte an: "Wir werden kein Mitleid haben." Weiter betonte er: "Wir haben noch keinen Punkt gesetzt, das ist erst das Komma." Es werde kein Nachlassen bei der "Säuberung" der Türkei von Gülen-Anhängern geben. "Der Virus hat sich überall ausgebreitet."

Bislang sind vor allem Staatsbedienstete von den Vorgängen betroffen, die die türkische Regierung selbst "Säuberungen" nennt. Nach Regierungsangaben vom Dienstag wurden seit dem Putschversuch Mitte Juli 58 611 Staatsbedienstete suspendiert, weitere 3499 dauerhaft entlassen. Zusätzlich wurde mehr als 20 000 Lehrern an Privatschulen die Lizenz entzogen. Nach Angaben des Innenministeriums vom Mittwoch wurden 25 917 Menschen festgenommen, gegen 13 419 Verdächtige wurden Haftbefehle erlassen. Die Reisepässe von mindestens 50 000 Personen wurden für ungültig erklärt, um ihre mögliche Flucht ins Ausland zu verhindern. Andere Quellen sprechen sogar schon von fast 75 000 konfiszierten Pässen.

© SZ.de/dpa/bepe/jab
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