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Türkei:Die Kriegsschiffe drehen erst mal ab

Türkei setzt umstrittene Erkundung im Mittelmeer zunächst aus

Im Streit um die Erkundung und Erschließung von Rohstoffen im östlichen Mittelmeer zeichnet sich auch dank deutscher Vermittlungsbemühungen zumindest vorübergehend Entspannung ab. Die Türkei kündigte an, Untersuchungen des Meeresbodens in von Griechenland beanspruchten Seegebieten auszusetzen, um "der Diplomatie Zeit zu geben", wie es İbrahim Kalın am Dienstag formuliert hat, der Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Der Präsident habe angewiesen, "konstruktiv zu sein und das für eine Weile auf Eis zu legen". Erst vergangene Woche hatte die Türkei angekündigt, das Erkundungsschiff Oruç Reis und zwei Versorgungsschiffe für seismische Untersuchungen in Gewässer südlich der griechischen Inseln Rhodos, Karpathos und Kastellorizo zu entsenden. Die Operation sollte bis zum 2. August dauern.

Die Ankündigung hatte die Spannungen mit Griechenland, Zypern und anderen Staaten verschärft und rief Kritik der EU und der USA hervor. Frankreich forderte deshalb und wegen der Militärintervention Ankaras in Libyen neue Sanktionen gegen die Türkei. Griechenland begrüßte die Ankündigung als "gute Entscheidung". Der Sprecher der Regierung in Athen, Stelios Petsas, sagte, eine Fortsetzung der 2016 unterbrochenen Gespräche über die Abgrenzung ausschließlicher Wirtschaftszonen könne vorankommen, wenn sich die Deeskalation verstetige. Aus dem Verteidigungsministerium in Athen hieß es, die Türkei habe die meisten ihrer Kriegsschiffe aus der Region abgezogen. Auch die meisten griechischen Schiffe seien in ihre Stützpunkte zurückgekehrt.

Die Spannungen hatten sich bis an die Grenze einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den beiden Nato-Alliierten verschärft. Griechische und türkische Medien führten die Entspannung auch auf Vermittlungsbemühungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zurück. Merkel hatte vergangene Woche mit dem griechischen Premier Kyriakos Mitsotakis und mit Erdoğan gesprochen. Eine dauerhafte Lösung des Konflikt um Hoheitsrechte in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer ist jedoch noch nicht geschafft. Ankara hatte mit der international anerkannten libyschen Regierung in Tripolis ein Demarkierungsabkommen geschlossen und beansprucht darin Seegebiete in der Nähe griechischer Inseln.

© SZ vom 30.07.2020 / SZ

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