Tübingen:Empörung über Boris Palmer

Der grüne Oberbürgermeister ist für Lockerungen in der Krise und sagt es mal "ganz brutal".

Von Claudia Henzler, Stuttgart

Boris Palmer

Boris Palmer (Die Grünen), Oberbürgermeister der Stadt Tübingen.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Boris Palmer, Oberbürgermeister der Stadt Tübingen in Baden-Württemberg, Mitglied der Grünen und ehrenamtlicher Politikkommentator , steht wegen eines Interviews in der Kritik. Im Frühstücksfernsehen von Sat 1 äußerte er sich am Dienstag mit einer problematischen Zuspitzung über die Anstrengungen zur Eindämmung des Coronavirus: "Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären, aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankung." Er plädierte außerdem erneut dafür, die Beschränkungen für Wirtschaft und Gesellschaft zu lockern und "zwei getrennte Sphären" zu schaffen, damit sich junge Menschen wieder frei bewegen können.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warf Palmer vor, Millionen alten und kranken Menschen Angst zu machen, dass ihnen notwendige Therapien vorenthalten werden sollten. Palmer betätige sich damit als "Brandstifter". In Baden-Württemberg distanzierten sich die Grünen-Landesvorsitzenden Sandra Detzer und Oliver Hildenbrand nachdrücklich: "Boris Palmer spricht nicht für die Grünen", stellten sie klar. "Mit seinen kalkulierten Ausrutschern und inszenierten Tabubrüchen beteiligt er sich an einer Polarisierung und Brutalisierung der öffentlichen Debatte." Angesichts der Kritik entschuldigte sich Palmer am Abend schließlich für seine Wortwahl. "Niemals würde ich älteren oder kranken Menschen das Recht zu leben absprechen", versicherte er. Falls er sich "da missverständlich oder forsch ausgedrückt" habe, tue es ihm leid.

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