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Tsvangirai in Berlin:Merkel sichert Simbabwe nur zögernd Hilfe zu

Simbabwes Premierminister Tsvangirai hat bei einem Besuch in Berlin um Hilfe gebeten. Bundeskanzlerin Merkel sagt nur zögernd Unterstützung zu.

Der simbabwische Ministerpräsident Morgan Tsvangirai reist drei Wochen lang durch die Hauptstädte des Westens und bittet um finanzielle Hilfe für sein wirtschaftlich völlig am Boden liegendes Land. Dabei ist das größte Hindernis der Mann, der ihn ins Gefängnis steckte, verprügeln und verfolgen ließ - der seit drei Jahrzehnten autoritär regierende Präsident Robert Mugabe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte zurückhaltend auf Tsvangirais Bitten um Hilfen.

(Foto: Foto: Getty)

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte am Montag zurückhaltend auf Tsvangirais Bitten und nannte keine Zahlen über die Höhe eventueller Hilfen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier mahnte weitere Schritte des Landes auf dem Weg zur Demokratie an.

Nach knapp einjährigen Verhandlungen unter internationaler Vermittlung hat Tsvangirai im Februar mit Mugabe eine Allparteienregierung gebildet. Damit sollte das Leid der Simbabwer in der schwersten sozialen und wirtschaftlichen Krise des Landes seit der Unabhängigkeit von Großbritannien 1980 gelindert werden.

Das kann jedoch nur mit Hilfsgeldern aus dem Ausland gelingen, zumal die simbabwische Währung nach einer Hyperinflation völlig wertlos geworden ist.

Doch die internationale Gemeinschaft ziert sich, denn der alte Machthaber Mugabe sitzt in Harare immer noch an den Hebeln der Macht. "Wir sind weiterhin besorgt", sagte US-Präsident Barack Obama Tsvangirai am Freitag im Hinblick auf die Entwicklung von Menschenrechten und Demokratie in dem südafrikanischen Land.

In Washington konnte Tsvangirai jedoch einen Erfolg verbuchen: Die USA sagten ihm 73 Millionen Dollar zu, die allerdings ohne die Beteiligung der Regierung ausgegeben werden sollen. Das Misstrauen ist zu groß. Doch Tsvangirai ist immer noch der Hoffnungsträger für Simbabwe. Obama versicherte ihm seine Unterstützung: "Insgesamt hat der Ministerpräsident in einem sehr schwierigen Umfeld Fortschritte erzielt." Ähnlich äußerten sich auch Merkel und Steinmeier.

"Marionette der neokolonialen Mächte"

Tsvangirai hatte die erste Runde der Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr nach Meinung unabhängiger Beobachter gewonnen - trotz massiver Einschüchterung und Verfolgung der Anhänger seiner Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC).

Mugabe schickte daraufhin Schlägertrupps, doch der Oppositionsführer rief nicht zur Gewalt gegen die Regierung auf - und zog sich lieber von der Stichwahl zurück, als weitere Todesopfer zu riskieren. Mugabe ließ seinen Rivalen verfolgen und kanzelte ihn öffentlich als "Marionette der neokolonialen Mächte" ab. Inzwischen habe er mit Mugabe eine funktionierende Arbeitsbeziehung, sagte Tsvangirai am Freitag. Jener wisse zu schätzen, was die Einheitsregierung in drei Monaten bereits erreicht habe.

Tsvangirai wurde als ältestes von neun Kindern eines Maurers geboren und begann als Jugendlicher in einer Textilfabrik zu arbeiten. Mit 22 heuerte er in einer Nickelmine an, wo er sich bald in der Gewerkschaftsarbeit engagierte. Studieren sollte er erst später als Gewerkschaftsführer - an der US-Eliteuniversität Harvard.

Ende der 80er Jahre wurde er Generalsekretär des simbabwischen Gewerkschaftsverbandes (ZCTU), 1989 wurde er in dieser Funktion erstmals festgenommen. Unter dem Vorwurf, ein Spion Südafrikas zu sein, wurde er sechs Wochen inhaftiert. Unter Tsvangirai wurde der Gewerkschaftsverband immer politischer und einflussreicher. Ende der 90er Jahre kam es zum ersten offenen Kräftemessen.

Tsvangirai organisierte eine Streikserie, um gegen geplante Steuererhöhungen zu protestieren. Die Ausstände legten große Teile des Landes lahm und zwangen die Regierung Mugabe, die Pläne zurückzunehmen. 1999 formierte sich unter Tsvangirais Führung ein großes Oppositionsbündnis, das ein demokratisches System forderte. Aus der Bewegung entstand Tsvangirais politische Plattform MDC.

Verfolgung und Festnahmen

Während sich die Wirtschaftskrise im Land zuspitzte, ging Tsvangirai immer stärker auf Oppositionskurs und forderte Reformen. Es folgten Generalstreiks und Proteste, die teils blutig niedergeschlagen wurden. Zahlreiche Oppositionelle wurden festgenommen. Bei der Präsidentschaftswahl 2002 kandidierte Tsvangirai erstmals gegen Mugabe. Er verlor dem offiziellen Ergebnis zufolge knapp - internationale Wahlbeobachter sprachen jedoch von massivem Wahlbetrug.

Die Regierung klagte ihn später wegen eines angeblichen Mordkomplotts gegen Mugabe des Hochverrats an, ihm drohte die Todesstrafe. 20 Monate zog sich der Prozess bis zum Freispruch hin. 2005 spaltete sich eine Fraktion der MDC ab - die Opposition war zerstritten, Tsvangirai wurde von Beobachtern bereits abgeschrieben.

Doch bei der Wahl 2008 konnte er Mugabe angesichts von Armut, Hunger und Unzufriedenheit im ganzen Land in die Enge treiben. Die Allparteienregierung ist Tsvangirais Chance, sich gegen Mugabe zu etablieren und das Schicksal seiner geschundenen Mitbürger zu verbessern. Doch dazu braucht er die Hilfe aus dem Ausland - auch wenn der alte Machthaber immer noch mit am Tisch sitzt.