bedeckt München 22°

Tschechien:Prag weist russische Diplomaten nach vermeintlichem Giftkomplott aus

Coronavirus - Tschechien

Andrej Babiš, Ministerpräsident von Tschechien, trägt Mundschutz bei einer Pressekonferenz.

(Foto: dpa)

Ein Zeitungsartikel, zwei Botschaftsmitarbeiter und Gift, das es wohl nie gab: Die tschechisch-russischen Beziehung verschlechtern sich aufgrund einer verworrenen Geschichte.

Nach einer Affäre um ein angebliches Giftkomplott weist Tschechien zwei russische Diplomaten aus. Man greife nur sehr selten und nur nach sehr reiflicher Überlegung zu einem solchen Schritt, sagte Außenminister Tomáš Petříček am Freitag in Prag. Das Verhalten Moskaus lasse indes keine andere Möglichkeit zu.

Auslöser der Affäre war ein Bericht des Nachrichtenmagazins Respekt: Im April wurde in dem Medium die Information veröffentlicht, dass ein russischer Diplomat einen Koffer mit dem tödlichen Gift Rizin nach Tschechien geschmuggelt habe. Der Bericht zitierte dafür anonyme Quellen. Das sei in tschechischen Sicherheitskreisen als Gefahr für den russlandkritischen Prager Oberbürgermeister Zdeněk Hřib und zwei weitere Kommunalpolitiker gewertet worden. Hřib beispielsweise erhielt Polizeischutz.

Babiš: "Interner Kampf" in der russischen Botschaft

Nun erklärt Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babiš, dass die Giftgeschichte sich als erdacht erwiesen habe: "Die ganze Affäre war das Ergebnis eines internen Kampfes zwischen Mitarbeitern der russischen Botschaft in Prag", sagte Babiš. Der eine habe die Falschinformation dem tschechischen Geheimdienst BIS gesteckt, um sich an dem anderen zu rächen. Das habe zu unnötigen Komplikationen in den beiderseitigen Beziehungen geführt, kritisierte der Ministerpräsident.

Russland reagierte verärgert auf die Ausweisung der Diplomaten. Die russische Botschaft in Prag sprach von einem "unfreundlichen Schritt", der auf "unbegründeten Anschuldigungen" in den Medien beruhe. Prag sei wenig daran interessiert, die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu normalisieren. "Wir sind zutiefst enttäuscht", so die Botschaft bei Facebook. Offen blieb, ob auch Russland tschechische Botschaftsmitarbeiter ausweisen wollte.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern hatten sich verschlechtert, seitdem die Prager Stadtverwaltung eine Statue für den Sowjetmarschall Iwan Konew entfernt und den Platz vor der russischen Botschaft nach dem ermordeten Oppositionspolitiker Boris Nemzow umbenannt hatte.

© SZ.de/dpa/AP/aner/sks

Russland
:Es hätte Putins Jahr werden sollen

Doch in der Krise ächzt das russische Gesundheitssystem, die Wirtschaft leidet und die Zustimmung zur Politik des Präsidenten schwindet. Putin fehlen die Ideen - und offenbar auch die Lust.

Von Silke Bigalke

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite