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Afrika:Tschads Präsident Déby ist tot

Idriss Déby kam 1990 an die Macht im Tschad und regierte zunehmend autokratisch.

(Foto: Regis Duvignau/AP)

Der Langzeitherrscher ist nach Angaben der Armee bei einem Truppenbesuch an der Front tödlich verletzt worden. Erst am Montag war er erneut zum Wahlsieger erklärt worden.

Der seit mehr als 30 Jahren zunehmend autokratisch regierende Präsident des Tschad, Idriss Déby, ist nach Angaben eines Armee-Sprechers tot. Der 68-Jährige sei während eines Truppenbesuchs im Norden des Landes ums Leben gekommen. Er habe dort an einer Frontlinie Soldaten besucht, die gegen Rebellen kämpften. Der Staatschef sei bei schweren Zusammenstößen tödlich verletzt worden. Den Angaben zufolge soll Mahamat Idriss Déby, der Sohn des verstorbenen Präsidenten, die Führung einer militärischen Übergangsregierung übernehmen.

Im tschadischen Grenzgebiet zu Nigeria, Niger und Kamerun herrscht Gewalt durch islamistische Gruppen und Terroristen. In den vergangenen Tagen haben sich zudem die tschadische Armee und Rebellen heftige Kämpfe geliefert. Nach Militärangaben wurden mehr als 300 Rebellen getötet und 150 weitere festgenommen, als sie auf die Hauptstadt N'Djamena vorrücken wollten. Die Rebellenkoalition "Front für Wandel und Eintracht im Tschad" (Fact) war zur Präsidentenwahl am 11. April von Libyen aus in das Land eingedrungen - offenbar mit dem Ziel, Déby zu stürzen.

Dieser war im Zuge eines Aufstands 1990 an die Macht gekommen und einer der am längsten regierenden Staatschefs in Afrika. Erst am Montag hatte die Wahlkommission des Landes erklärt, Déby habe sich bei der Wahl am 11. April mit knapp 80 Prozent der Stimmen durchgesetzt und gehe damit in seine sechste Amtszeit.

Für Europa ist der Tschad strategisch bedeutend

Der Wahlkampf war geprägt von Repressionen gegen die Opposition und Gewalt bewaffneter Gruppen. Oppositionsführer Saleh Kebzabo hatte sich nach der Ermordung mehrerer Menschen bei einer Hausdurchsuchung eines anderen Oppositionellen von der Wahl zurückgezogen. Zahlreiche politische Kontrahenten von Präsident Déby wurden inhaftiert. Trotz der Repressionen gab es immer wieder Proteste gegen Déby.

Der Tschad gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und ist für Europa im Kampf gegen islamistische Terrorgruppen im Sahel strategisch bedeutend. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich unterstützt mit im Tschad stationierten französischen Soldaten und Kampffliegern die Allianz "G5 Sahel" im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus in der Region. An der G5-Sahel-Militärallianz sind außer dem Tschad auch Mali, Mauretanien, Niger und Burkina Faso beteiligt.

© SZ/epd/Reuters/dpa/saul/kast
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