Trumps Führungsstil Demütigen? Klar. Feuern? Eher nicht

Donald Trump bei einer Wahlkampfrede in New Hampshire im Juni 2015

(Foto: REUTERS)

Der Spruch "You're fired" machte Donald Trump berühmt, im Wahlkampf inszenierte er sich als führungsstark. Die Personalie Scaramucci zeigt aber, dass der US-Präsident in Wahrheit konfliktscheu ist.

Von Matthias Kolb

Nach zehn Tagen ist der Schrecken vorbei. Anthony Scaramucci ist nicht länger Kommunikationsdirektor im Weißen Haus: Der Ex-Fondsmanager wird nicht länger in offizieller Funktion Obszönitäten verbreiten und Donald Trump die Treue schwören. Das offizielle Pressestatement spricht zwar davon, dass Scaramucci abtrete, um dem neuen Stabschef John Kelly die Chance zu geben, sein eigenes Team aufzubauen.

In Wahrheit hat Ex-General Kelly den Rauswurf durchgesetzt, weil er ihn für "völlig ungeeignet" für diese Position hält - und mit solchen Leuten nie für die dringend benötigte Ordnung im Weißen Haus sorgen kann. Der Überzeugung, dass der vulgäre Scaramucci eine Belastung sei, schloss sich am Wochenende nach Gesprächen mit Kelly und der Familie auch der Präsident an, so die New York Times.

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Eines tat Trump jedoch nicht: Er hätte selbst seinen Meinungsumschwung begründen und Scaramucci feuern können. Der Spruch "You're fired" aus seiner Reality-TV-Serie "The Apprentice" hat den Immobilien-Unternehmer weltweit bekannt gemacht und entsprechend trat Trump auch im Wahlkampf auf. Der Slogan "Obama, you're fired" begeisterte die konservativen Amerikaner und der Republikaner tut bis heute so, als würde er jeden vom Hof jagen, der seinen Anweisungen nicht folgt.

Dass dies mit der Realität so viel zu tun hat wie Wrestling mit Boxen, fällt im Dauer-Chaos dieser US-Regierung nicht sofort auf. Aber die vergangenen zwei Jahre - also die Zeit des Wahlkampfs und die ersten sechs Monate als Präsident - zeigen, dass Trump in Sachen Personalführung vor allem eines ist: konfliktscheu.

Trump macht es keinen Spaß, Leute zu feuern

Er umgibt sich mit Leuten, die ihm schmeicheln - und meidet jene, die ihm missfallen. Aber rauswerfen tut er sie nicht. Wer wie Steve Bannon ein paar Wochen abtaucht, der kann auch wieder zum Trump-Liebling werden. Als Politik für Trump noch ein Hobby war und er sich vor allem auf Immobilien und die NBC-Show "The Apprentice" konzentrierte, sagte er dem Luxusmagazin Life beyond Sport: "Die Leute denken, dass es mir Spaß macht, Leute zu feuern. Das ist aber nicht der Fall." Dies deckt sich mit zahllosen Anekdoten, die Wegbegleiter aus Trumps Leben erzählen: Der US-Präsident sei ein people pleaser, der vor allem gemocht und bewundert werden will (mehr über die Risiken dieser Gefallsucht).

Barbara Res, eine ehemalige Angestellte aus Trumps Immobilienfirma, schildert etwa bei CNN, dass ihr Chef es oft nicht übers Herz brachte, unfähigen Mitarbeitern zu kündigen oder sie wieder einstellte, nachdem diese um ein Gespräch baten. Dies klingt plötzlich vertraut: Trump stellt seinen Justizminister seit Monaten öffentlich bloß ("sehr schwach"), weil sich Jeff Sessions aus den Russland-Ermittlungen zurückgezogen hat. Ein echtes Gespräch zwischen den einstigen Verbündeten gab es zuletzt vor vier Monaten, aber Sessions verharrt auf seinem Posten. Und der US-Präsident? Er greift nicht durch.

Ähnlich war es auch bei Ex-Pressesprecher Sean Spicer, der immer mehr zur Witzfigur wurde und über seine Zukunft im Unklaren gelassen wurde, oder Trumps erstem Büroleiter Reince Priebus. Dessen Ruf wurde über Monate zerstört, doch weil er unbeirrt weiterarbeitete, musste Priebus schließlich vor vollendete Tatsachen gestellt werden - ein seltener Fall, in dem das Verb "feuern" angebracht scheint.