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Weißes Haus:"Ich kann nicht länger dein Freund sein, weil du ein Latino bist"

Miller war schon im Wahlkampf Trumps Redenschreiber. Der harsche, unversöhnliche Ton, die totale Kompromisslosigkeit in Trumps Reden: Das ist der Miller-Sound. So spricht Miller auch, wenn er sich - was selten vorkommt - im Fernsehen interviewen lässt. "Wie viele unschuldige Menschen müssen noch sterben infolge einer Politik der offenen Grenzen?", fragte er etwas pathetisch Ende Dezember auf CNN.

Zu einer anderen Gelegenheit sagte Miller: "Unsere Gegner, die Medien und die ganze Welt werden bald sehen, dass die Durchsetzungskraft des Präsidenten zum Schutz unseres Landes sehr substantiell und nicht zu hinterfragen ist." Eine gezielte Drohung gegen alle Kritiker von Donald Trump, der in seinen Augen immer Recht hat. "Zu 100 Prozent."

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Millers Radikalisierung muss mit spätestens 14 Jahren begonnen haben. Zusammen mit einem langjährigen Kumpel Jason Islas ist Miller damals auf eine höhere Schule gewechselt. Kurz danach kündigte er ihm die Freundschaft mit den Worten: "Ich kann nicht länger dein Freund sein, weil du ein Latino bist", erinnert sich Islas.

Miller, Sohn progressiver jüdischer Eltern, besuchte die als überaus liberal geltende Santa Monica High School. Es muss ein Horror gewesen sein für ihn. Einmal schrieb er: "Osama bin Laden würde sich sehr wohl fühlen an der Santa Monica High School." Ehemalige Mitschüler berichten, er habe sich dort über jeden lustig gemacht, der nicht fehlerfrei Englisch sprechen konnte. Er soll deswegen Wutanfälle bekommen haben. Eine Mitschülerin sagte über ihn, Miller habe damals erfahren, was es bedeutet, sich als weißer Mann in der Minderheit zu fühlen.

Mit 16 schrieb Miller einen Text für das lokale Medium The Lookout. Unter dem Titel "Die politische Korrektheit ist außer Kontrolle" zog er über multikulturelle Feste an der Schule her. Er stänkerte dagegen, dass Durchsagen an der Schule auch auf Spanisch erfolgten. Und verurteilte schulische Hilfsinitiativen für Homosexuelle. Seinen Lesern empfahl er unter anderem, die Schulleitung anzurufen und sie aufzufordern, "ihre liberale Haltung am Schultor zurückzulassen".

Anders als die meisten seiner Mitschüler stellte sich Miller jeden Morgen zu Unterrichtsbeginn neben sein Pult, legte die rechte Hand auf sein Herz und beschwor seine Liebe zum Vaterland, berichtet die Los Angeles Times.

Nach der Schule studierte Miller an der Duke University Politikwissenschaften, die er als linke "Indoktrinierungs-Maschine" bezeichnete. Miller engagierte sich am rechten Rand der Republikanischen Partei. Er wollte nach Washington und im politischen Betrieb mitspielen.

Er kam erst im Büro der konservativen Abgeordneten Michele Bachmann unter. Später heuerte er bei Jeff Sessions an, dem damals knochen-konservativen Senator aus Alabama. Sessions war im Senat eine Randfigur. Kaum jemand nahm ihn für voll - zu abwegig, zu abstrus seine politischen Überzeugungen. Mit Sessions entwickelte Miller eine umstrittene wie radikale Reform der Immigrationsgesetze. Sie war chancenlos.

Unter Trump aber stieg Sessions zum Justizminister auf. Miller ging mit Trump ins Weiße Haus. Der rechte Brandredner Steve Bannon wurde dort sein Mentor, bis Bannon im Sommer 2017 gehen musste. Sessions fiel schnell in Ungnade, weil er sich von den Russland-Ermittlungen fernhielt, statt sie - wie von Trump gewünscht - zu kontrollieren. Nach den Midterms 2018 feuerte Trump ihn. Miller blieb.