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US-Verteidigungsminister Shanahan:Trumps Übergangsminister ist nicht auf sein Amt vorbereitet

Donald Trump, Patrick Shanahan, John Sullivan

US-Präsident Donald Trump und Patrick Shanahan (rechts) bei einer Kabinettssitzung im Weißen Haus.

(Foto: AP)
  • Der bisherige stellvertretende Verteidigungsminister Patrick Shanahan übernimmt übergangsweise den Posten des zurückgetretenen James Mattis.
  • Shanahan hat keinen militärischen oder politischen Hintergrund, sondern arbeitete zuvor beim Luftfahrtkonzern Boeing, zuletzt in der Rüstungssparte.
  • Er übernimmt mit dem Amt eine Position, auf die er sich nicht vorbereiten konnte.

Alexander der Große hat es Patrick Shanahan offenbar angetan, oder genauer: dessen große Prüfung, der Gordische Knoten. Der hielt bekanntlich den Streitwagen von König Gordios zusammen, bis der makedonische Herrscher ihn durchschlug und damit den Beweis für seinen Siegeswillen erbrachte. Das US-Verteidigungsministerium wird anscheinend auch von einer ganzen Reihe Knoten dieser Art zusammengehalten, aber der neue Hausherr weiß, wie man damit umgeht: manche zerschlagen, andere in Stücke zerteilen und lösen.

Portionieren, sortieren, entflechten - das ist die Stärke von Patrick Shanahan, 56, einem gelernten Maschinenbauingenieur (Washington State University und MIT in Boston). Drei Jahrzehnte lang hat er für den Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing in leitender Position strukturiert und reformiert, im Bereich zivile Luftfahrt, im Raketenabwehrprogramm und zuletzt im Konzernbereich für militärische Fluggeräte. Kollegen bescheinigen ihm große Managementfähigkeiten und die Gabe, sich bis zur Besessenheit in Probleme hineinfuchsen zu können.

Vor 17 Monaten änderten sich die Probleme schlagartig. Da wurde Shanahan von US-Präsident Donald Trump zum stellvertretenden Verteidigungsminister berufen, eine Entscheidung, die im Pentagon und im Kongress zunächst für Missmut sorgte. Seine Senatsanhörung verbrachte Shanahan in der Defensive, der damals noch lebende Senator John McCain rügte ihn wegen seiner unklaren politischen Haltung zur Ukraine und warnte, man werde hier nicht den Fuchs in den Hühnerstall lassen. Tatsächlich gab es das noch nie: Ein hochkarätiger Vertreter der Verteidigungsindustrie (Boeing ist der zweitwichtigste Zulieferer der US-Streitkräfte mit einem Verkaufsvolumen von 17 Milliarden Dollar im Jahr) wird zum obersten Beschaffer, Haushaltswächter und Manager des Ministeriums ernannt. Die Arbeitsteilung war klar: Verteidigungsminister Jim Mattis war für Politik, Strategie und Bündnispartner zuständig, Shanahan für die Arbeiten am Schreibtisch. Entscheidungen zu Boeing traf er zunächst nicht. Dafür unterzog er die Arbeitsabläufe im Ministerium einer rigiden Reform und veranlasste die erste Pentagon-Finanzprüfung überhaupt.

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Der bisherige Stellvertreter Patrick Shanahan werde zum Jahreswechsel die Führung des Ressorts übernehmen, teilt der US-Präsident mit.

Nachdem sich die Soldaten an den Ingenieur gewöhnt hatten, kam die zweite Überraschung: Trump hat nach dem Rücktritt von Mattis den bisherigen Stellvertreter zum amtierenden Minister bestellt - mit sofortiger Wirkung. Mattis hatte zwar eine zweimonatige Übergangsphase angeboten, aber der Präsident wollte den Minister nach seinem harschen Rücktrittsgesuch düpieren. 210 Tage lang kann Shanahan ohne Anhörungsverfahren walten, der Präsident wird sich Zeit lassen bis zur offiziellen Nominierung.

Shanahan übernimmt dabei eine Last, auf die er nicht vorbereitet ist. Sein Vorgänger war bei aller Zurückhaltung ein zutiefst politischer Minister, der die Instrumentalisierung des Militärs durch Trump weitgehend verhinderte, beharrlich die alten Allianzen pflegte und die jahrzehntelang befolgten Grundsätze amerikanischer Sicherheitspolitik weiterführte. Das alles steht nun zur Disposition, und die Frage ist, ob Shanahan dem Präsidenten Paroli bietet oder sich als Erfüllungsgehilfe einer Trump-Doktrin sieht.

"Mattis' Rücktritt war eine böse Nachricht für die zivil-militärischen Beziehungen, für die Verbündeten und für alle, die den Schutz vor den schlimmsten Impulsen Trumps geschätzt haben", sagt die Militärexpertin Kori Schake, die zusammen mit Mattis ein Buch geschrieben hat. Sicher ist nur, dass Shanahan keinerlei Erfahrung in der Sicherheits- und Militärpolitik oder in Bündnisangelegenheiten mitbringt. Als Trump voller Begeisterung den Aufbau einer neuen Teilstreitkraft für den Weltraum ankündigte, war Shanahan jedenfalls geflissentlich zur Stelle. Man befinde sich ja nicht im "Nein-Ministerium".

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