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Trump und der Chefstratege:Machtkampf im Weißen Haus

Bannon erlebt gerade harte Zeiten. Und das liegt wohl auch an Trumps Misserfolgen. Die Zustimmung zu seiner Arbeit kommt über 40 Prozent kaum noch hinaus. Für einen US-Präsidenten im Amt ist das ein miserabler Wert.

Vor allem die Debatte um die Reform der Krankenversicherung hat viele Anhänger verschreckt. Obamacare reparieren, in Ordnung. Aber abschaffen? Oder mit etwas ersetzen, das am Ende über 20 Millionen US-Amerikaner unversichert zurücklässt? Das wollen dann doch nur die wenigsten. Wäre es nach Bannon gegangen, Obamacare wäre einfach ersatzlos gestrichen worden. Ein Irrweg, wie Trump feststellen musste. Und politisch nicht durchsetzbar.

Trump hat schon in der vergangenen Woche Bannons Zuständigkeiten massiv beschnitten. Per Erlass nahm er Bannon dessen festen Platz im Nationalen Sicherheitsrat weg. Den hatte Bannon erst ein paar Wochen zuvor überraschend und zum Entsetzen vieler Offizieller im Weißen Haus bekommen. Sein Rauswurf wurde öffentlich so dargestellt, als habe Bannon im Sicherheitsrat einmal ordentlich aufgeräumt. Der Job sei jetzt gemacht. Darum sei seine Anwesenheit nicht länger nötig.

Tatsächlich war dem wohl ein Machtkampf im Weißen Haus vorausgegangen, aus dem Trumps neuer Berater für Nationale Sicherheit, Herbert Raymond "H. R." McMaster als Sieger hervorgegangen ist. Er hat dann sogleich die alten Verhältnisse im Sicherheitsrat wiederhergestellt.

Bannon hat sich mehrfach verschätzt

Bannon hat sich auch verschätzt in der Syrien-Frage. Nach dem Chemiewaffenangriff Anfang vergangener Woche hat er sich gegen eine militärische Antwort stark gemacht. Die "America first"-Doktrin dürfe nicht aufgeweicht werden. Durchgesetzt hat sich Kushner, der für einen begrenzten und verhältnismäßigen Angriff plädierte.

Es heißt, Bannon bewahre im West Wing eine Liste mit all den Versprechen auf, die Trump den Wählern vom rechten Rand gemacht hat. Dazu gehörte nicht nur "America first" und weg mit Obamacare. Sondern auch, dass die Mexikaner für die Mauer zahlen, er die Grenzen dicht macht für Muslime. Und er es China, diesen "Meistern der Währungsmanipulation", schon zeigen werde.

Von all dem ist jetzt schon kaum etwas übriggeblieben. Obamacare gilt weiterhin, die Finanzierung der Mauer soll erstmal aus der US-Staatskasse kommen, sein Travel-Ban gegen Muslime aus bestimmten Staaten ist vorerst von Gerichten gestoppt.

Gegen China hat Trump gerade erst den Vorwurf fallen lassen, es würde seinen Währungskurs zu Lasten der US-Wirtschaft manipulieren. Nicht einmal mehr auf der Nato will Trump weiter rumhacken. "Ich sagte, sie sei obsolet", verkündete Trump an diesem Mittwoch an der Seite von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. "Sie ist nicht länger obsolet." Es klang fast wie eine Entschuldigung. Bannon wird das alles nicht gefallen haben.

Der Satz, den Trump zu Bannon gesagt hat, endete mit einer handfesten Drohung: Klärt das - "... oder ich werde es tun." Bannon wird an einer Hand abzählen können, wie das ausgehen dürfte. Wenn es heißt: Bannon oder Kushner, der Mann seiner geliebten Tochter Ivanka, wird er sicher nicht als Sieger vom Platz gehen. Das ist wohl ein Grund, warum manche glauben, dass die Tage für Bannon im Weißen Haus gezählt sein könnten.

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