Russland-Affäre Trump: Sohn traf Russin, um Material gegen Clinton zu beschaffen

Informationsbeschaffung über den politischen Gegner findet US-Präsident Donald Trump (rechts) völlig in Ordnung. Vor allem, wenn sein Sohn Donald junior sich daran versucht. (Archivbild von 2016)

(Foto: AFP)
  • In einem Tweet gibt Trump unumwunden zu, dass ein Treffen zwischen seinem Sohn und einer russischen Anwältin während des Wahlkampfs dem Zweck gedient habe, "Informationen über einen Gegner" zu beschaffen.
  • Damit widerspricht der US-Präsident deutlich einer früheren Darstellung.
  • Etwas Anrüchiges, gar Illegales, will er in dem Treffen dennoch nicht sehen.

US-Präsident Donald Trump hat sich mit Aussagen über eine in der Russland-Affäre bedeutsame Zusammenkunft im Trump Tower 2016 in Widersprüche verstrickt. Am Sonntag räumte er auf Twitter ein, dass sein Sohn Donald Jr. sich während des Präsidentschaftswahlkampfs mit einer dem Kreml nahestehenden Anwältin und anderen russischen Informanten getroffen habe, um an "Informationen über einen Gegner" zu kommen. Gemeint ist damit offensichtlich Trumps demokratische Herausforderin Hillary Clinton, auch wenn diese nicht namentlich genannt wird.

Besonders erbost zeigte sich der Präsident über einen Bericht, wonach ihm das besagte Treffen im Trump Tower Sorge bereite, an dem neben seinem Sohn auch hohe Wahlkampfhelfer teilnahmen. "Fake News berichten, ein völliges Lügenmärchen, dass ich beunruhigt über das Treffen bin, das mein wunderbarer Sohn, Donald, im Trump Tower hatte", schrieb er als Reaktion auf einen Bericht der Washington Post. Zugleich behauptete der Präsident, dass das Treffen "total legal" gewesen sei, in der Politik ständig so vorgegangen werde und es darüber hinaus "zu nichts geführt" habe. "Ich wusste davon nicht!", betonte er.

Interessant ist der Tweet vor allem im Vergleich zu früheren Äußerungen Trumps über die Zusammenkunft. Anfang Juli 2017 hatte er zunächst einen völlig anderen Anlass für das Treffen genannt. In einer vom US-Präsidenten diktierten, aber unter dem Namen von Donald Trump Jr. verbreiteten Stellungnahme hieß es: "Wir diskutierten vor allem über ein Programm zur Adoption russischer Kinder, das vor Jahren wirksam und bei amerikanischen Familien beliebt war."

Serie aggressiver Tweets gegen die angebliche "Hexenjagd"

Ein paar Tage später enthüllte die NYT den wahren Zweck des Treffens - die Beschaffung von Informationen über Hillary Clinton. Präsident Trump twitterte daraufhin freimütig, dass "die meisten Politiker" zu so einem Treffen gegangen wären, um Informationen über einen Gegner zu bekommen. "Das ist Politik!" Und das, während sein Pressesprecher Sean Spicer noch an der Version festhielt, dass es bei dem Treffen nicht einmal um Politik gegangen sei.

Seine jetzigen Äußerungen setzte Trump innerhalb einer Serie aggressiver Tweets ab, die er am Sonntag von seinem Golfclub in New Jersey aus absendete. Es ging um zwei seiner bevorzugten Zielscheiben: Die angeblich "Fake News" verbreitenden Nachrichtenmedien und die angebliche "Hexenjagd" von Sonderermittler Robert Mueller in der Russland-Affäre. Mueller untersucht die russische Einmischung in die US-Präsidentschaftswahl 2016 sowie eine mögliche Verwicklung von Trumps Wahlkampfteam. Das Treffen von Donald Trump Jr. mit der russischen Anwältin spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Wahlkämpfern in den USA ist es nicht erlaubt, Hilfe von ausländischen Regierungen zu erhalten. Trump und sein Sohn argumentieren, dass sie bei dem Treffen letztlich kein belastendes Material über Clinton erhalten hätten. Manche Rechtsexperten halten der NYT zufolge jedoch bereits das Treffen an sich für einen Gesetzesbruch.

Trumps Sohn hoffte auf Moskaus Hilfe

Die Veröffentlichungen über das Treffen mit einer russischen Anwältin zeigen, dass das Trump-Lager nichts unversucht ließ, um an Informationen über Hillary Clinton zu kommen. Das könnte für Donald Trump jr. Folgen haben. Von Sacha Batthyany mehr...