Social MediaHolpriger Start für Trumps Netzwerk "Truth Social"

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"Die echte Wahrheit", so versprach Donald Trump, werde auf seinem Social-Media-Kanal "Truth Social" zu finden sein. Am Montag startete die Plattform mit Pannen.
"Die echte Wahrheit", so versprach Donald Trump, werde auf seinem Social-Media-Kanal "Truth Social" zu finden sein. Am Montag startete die Plattform mit Pannen.
Chris Delmas/AFP

Twitter, Facebook und Youtube haben den einstigen US-Präsidenten nach dem Sturm aufs Kapitol 2021 gesperrt. Jetzt ist in den USA seine eigene Social-Media-Plattform online.

Von Fabian Fellmann, Washington, und Christoph Koopmann, Washington/München

SZ bei Google bevorzugen

Der Weg zur vermeintlichen Wahrheit beginnt mit Fehlermeldungen und einer Warteliste. Diese frustrierende Erfahrung machen gerade Tausende, die sich bei Donald Trumps neuer Social-Media-Plattform Truth Social anmelden wollen. Der einstige Präsident hat die App pünktlich zum Presidents' Day am Montag an den Start bringen lassen, einem Feiertag zu Ehren aller US-Staatsoberhäupter. Bisher ist Truth Social nur auf iPhones in den USA verfügbar, eine Version für Google soll demnächst folgen. Monatelang hatten Trump und sein enger Zirkel für die neue Plattform geworben: Sie solle wirklich freie Meinungsäußerung ermöglichen, frei von angeblicher Zensur, wie sie bei den etablierten Netzwerke Facebook, Twitter und Youtube praktiziert würde. Von dort war Donald Trump nach dem Sturm aufs Kapitol am 6. Januar 2021 verbannt worden, weil die Betreiber ihm vorwarfen, mit Posts die Gewalt angefacht zu haben. Auch zahlreiche Trump-Anhänger wurden wegen diverser digitaler Grenzüberschreitungen gesperrt.

Noch am Sonntag war bei Fox News Devin Nunes zugeschaltet, vormals republikanischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus und neuerdings CEO bei Truth Social. Nunes sagte, das Ziel sei, "den Leuten ihre Stimme wiederzugeben". Der Start tags darauf lief allerdings eher holprig. Obwohl schon wenige Stunden nach einer sehr fehlerbehafteten ersten Fassung eine Version 1.0.1 erschien, endeten viele Anmeldeversuche weiterhin in einer der berüchtigten 404-Fehlermeldungen, weil die Bestätigung der Mailadresse scheiterte. Selbst wer das Glück hatte, diese Hürde zu bewältigen, landete "wegen massiver Nachfrage" auf einer Warteliste.

Welche Inhalte auf dem Netzwerk zu finden sein werden, bleibt damit weiter unklar - Trump hatte bloß das eher nebulöse Versprochen gegeben, es werde "die echte Wahrheit" sein. So mussten sich Beobachter zunächst mit Screenshots begnügen, die zumindest darauf schließen lassen, dass Trump sich von seinen Entwicklern einen Klon seiner einstigen Lieblingsplattform Twitter hat basteln lassen, sogar mit den beinahe exakt gleichen Sprechblasen-, Pfeil- und Herzchen-Buttons fürs Kommentieren, Teilen und Liken von Beiträgen.

Der Erfolg wird davon abhängen, wie viele Nutzer dauerhaft zu dem neuen Kanal wechseln

Nur lässt sich derzeit kaum abschätzen, wie groß das Publikumsinteresse wirklich ist. Downloadzahlen veröffentlichte Apple zunächst nicht. Sichtbar war nur, dass Truth Social innerhalb weniger Stunden auf Platz eins der sozialen Netzwerke in Apples Downloadcharts aufstieg, was aber zumindest teils mit Neugierde zu erklären sein könnte - der Start von Trumps Netzwerk war in den USA ein großes Medienthema. Der Erfolg hängt aber wesentlich davon ab, wie viele Nutzer Trump dauerhaft von anderen Plattformen zu Truth Social locken und dort auch halten kann.

Viele Fachleute sind der Auffassung, dass Trump etwas spät dran ist mit seiner Idee einer vermeintlich "zensurfreien" Plattform. Der Messengerdienst Telegram etwa hat zwar in Deutschland jüngst 64 Corona-Rebellen-Kanäle entfernt, löscht aber sonst höchstens Inhalte mit Bezug zu Terror oder Kinderpornografie. Und längst gibt es auch Netzwerke, die vom Erscheinungsbild her 1b-Versionen von Twitter sind: Trumps ehemaliger Berater Jason Miller hat vergangenen Sommer Gettr gestartet, wo sich seitdem Rechtsradikale und Verschwörungsideologen tummeln. Prominentere deutschsprachige Kanäle gehören etwa dem ehemaligen Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen und dem selbsternannten alternativen Medienmacher Boris Reitschuster. Eine weitere Konkurrenz zu Truth Social ist Parler, das unter anderem von Trump-Großspenderin Rebekah Mercer finanziert wird - und erst vor zwei Wochen verkündete, eine prominente Nutzerin werde dort fortan "exklusiv" kommunizieren: Trumps Ehefrau Melania.

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