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Trump-Sprecher:Ein historischer Vergleich, der Sean Spicer den Job kosten könnte

  • Trump-Sprecher Sean Spicer verurteilt bei einem Pressebriefing im Weißen Haus den jüngsten Angriff mit chemischen Waffen in Syrien: Nicht einmal Adolf Hitler sei so tief gesunken, Chemiewaffen gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen.
  • Diese historisch falsche Behauptung sorgt für heftige Reaktionen: In einem Statement fordert das Anne-Frank-Zentrum in New York US-Präsident Trump auf, Spicer zu entlassen.
  • In deutschen Konzentrationslagern waren mehr als sechs Millionen Juden ermordet worden, die meisten mit dem Giftgas Zyklon B .
  • Mittlerweile hat sich der Pressesprecher entschuldigt: Der Vergleich sei ein "Fehler" gewesen.

Von Johanna Bruckner, New York

Der Job eines Pressesprechers ist es, für Verständigung zu sorgen. Er vermittelt Botschaften, stellt Dinge klar und richtet in seltenen Fällen eine Entschuldigung aus. Immer natürlich im Bemühen, die Person oder Sache, für die er eintritt, möglichst gut dastehen zu lassen. Sean Spicer ist der Pressesprecher des amtierenden US-Präsidenten - und anstatt für Klarheit zu sorgen, hat er in drei Monaten oft selbst für Missverständnisse gesorgt.

Sein jüngster Fehltritt könnte ihn nun womöglich den Job kosten. Denn am Dienstag tat Spicer das, was man tunlichst vermeiden sollte, wenn es einem am nötigen Wissen (im konkreten Fall: Allgemeinwissen) mangelt: Er wagte sich an einen historischen Vergleich.

Beim täglichen Pressebriefing im Weißen Haus sagte Spicer im Hinblick auf den jüngsten Chemiewaffeneinsatz gegen die syrische Bevölkerung: "Nicht einmal jemand so Verabscheuungswürdiges wie Hitler ist so tief gesunken, chemische Waffen einzusetzen."

Was dem 45-Jährigen in diesem Moment augenscheinlich entfallen war: Im Dritten Reich starben in sogenannten Gaskammern Millionen Menschen - Juden, Oppositionelle, Menschen mit einer Behinderung. Spicers falsche Behauptung folgte auf die Frage eines Journalisten, warum er, also Spicer, glaube, dass sich Russland ausgerechnet jetzt vom syrischen Regime distanzieren werde.

Die Assad-Regierung hatte in der vergangenen Woche einen Militärschlag in der nördlichen Provinz Idlib durchgeführt, die von regierungskritischen Rebellen gehalten wird. Dabei setzte das syrische Militär nach US-Informationen das hochgiftige Nervengift Sarin ein - Machthaber Baschar al-Assad bestreitet das. Mehr als 80 Menschen kamen ums Leben, darunter zahlreiche Kinder. Das amerikanische Militär beschoss in der Folge einen Militärstützpunkt in Syrien von Kriegsschiffen im Mittelmeer aus mit Raketen.

In diesem Fall sorgte im Übrigen nicht Spicer, sondern ein Trump-Sohn für unerwünschte Presse: Dem britischen Daily Telegraph sagte Eric Trump, die Entscheidung seines Vaters, militärisch gegen Syrien vorzugehen, sei von seiner Schwester Ivanka beeinflusst gewesen - diese sei selbst Mutter und tief betroffen gewesen über die Bilder nach dem Chemiewaffen-Angriff. Auch auf offizieller Ebene ist die Causa Syrien längst nicht auserzählt.

Vor Spicers Pressebriefing am Dienstag verlautete aus dem Weißen Haus, dass Syriens Verbündeter Russland versuche, die Hintergründe des Angriffs zu verschleiern. Ein Regierungsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte, Moskau verbreite gezielt Desinformationen. Man untersuche aktuell, ob Russland vorab von dem Chemiewaffen-Anschlag gewusst habe. Der amerikanische Außenminister Rex Tillerson ist derzeit in Moskau und will am Mittwoch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow zusammentreffen.

In Washington irritierten Spicers Ausführungen indes nicht nur die anwesenden Journalisten. Auch sein eigenes Team reagierte der Washington Post zufolge mit Fassungslosigkeit. Mindestens ein Mitarbeiter des Pressestabs habe sichtbar nach Luft geschnappt, "als Spicer mit seiner Antwort immer weiter in gefährliches Terrain stolperte".

Denn als eine andere Journalistin Spicer wenig später mit seiner eigenen, falschen Aussage konfrontiert und um Klarstellung bittet, gerät Trumps Pressesprecher ins Stammeln: "Er (Hitler, Anm. d. Red.) hat Gas nicht auf dieselbe Art und Weise gegen sein eigenes Volk eingesetzt, wie es Assad tut. (...) Er hat sie (Juden, Anm. d. Red.) in Holocaust-Zentren gebracht, das ist mir klar. Aber was ich zum Ausdruck bringen will, ist die Art, wie Assad es eingesetzt hat, indem er in die Städte geht und es über den Stadtzentren abwirft."

Mit "Holocaust-Zentren" meinte Spicer offenkundig deutsche Konzentrationslager - dort wurden im Dritten Reich mehr als sechs Millionen Menschen, in der großen Mehrheit Juden, ermordet, viele von Ihnen mit dem Blausäure-Gas Zyklon B.

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