Social Media:Trump knüpft sein eigenes Netz

Social Media: "Der amerikanische Lieblingspräsident" sei zum Schweigen gebracht worden, klagt Donald Trump - hier kürzlich in Iowa. Deshalb will er sein eigenes soziales Netzwerk gründen.

"Der amerikanische Lieblingspräsident" sei zum Schweigen gebracht worden, klagt Donald Trump - hier kürzlich in Iowa. Deshalb will er sein eigenes soziales Netzwerk gründen.

(Foto: Andy Jacobsohn/AFP)

Der Ex-Präsident gründet mit einem Unternehmen eine neue Plattform für seine Botschaften. Er wolle sich gegen die "Tyrannei von Big Tech" wehren, erklärt der frühere US-Präsident - etablierte soziale Medien haben ihn gesperrt.

Von Andrian Kreye, München

Ex-Präsident Donald Trump hat die Firma Media and Technology Group TMTG gegründet, mit der er ein soziales Netzwerk namens Truth Social lancieren will. Auf die regulären Plattformen hat er nach wie vor keinen Zugriff. Nach dem Sturm seiner Anhänger auf das Parlamentsgebäude der USA am 6. Januar hatte Facebook am Tag darauf den damals noch amtierenden Präsidenten gesperrt. Zwei Tage später stornierte auch Twitter Donald Trumps Konten, gefolgt von Youtube, Tiktok, Pinterest, Snapchat, Reddit, Twitch, Discord und selbst der Einkaufsplattform Shopify.

Für Trump und seine Anhänger war das eine Verschwörung der Digitalindustrie. Trump hatte vor allem die beiden Marktführer der sozialen Medien genutzt. Twitter war sein Sprachrohr, Facebook und Youtube seine Werkzeuge für die Mobilisierung. Die Plattformen hatten 2016 entscheidend zu seinem Wahlerfolg beigetragen.

Für 2022 ist der Start geplant. Die Posts sollen "Truths" heißen

Die Presseerklärung vom Mittwoch liest sich dann auch wie eine Kampfansage: "Ich habe Truth Social und TMTG gegründet, um mich gegen die Tyrannei von Big Tech zu wehren", schreibt er da. "Wir leben in einer Welt, in der die Taliban eine riesige Präsenz auf Twitter haben, aber der amerikanische Lieblingspräsident zum Schweigen gebracht wurde. Das ist inakzeptabel."

Bisher kann man sich auf der Webseite seines Netzwerkes nur voranmelden. Im ersten Quartal 2022 soll das Netzwerk starten. Posts auf dem Netzwerk sollen "Truths" heißen, Wahrheiten. Trump will mit seinem Unternehmen auch gleich an die Börse. Dazu wurde schon eine Mantelgesellschaft namens Digital World Acquisition Corporation gegründet. Das ist in den USA eine Möglichkeit, den aufwendigen IPO-Prozess eines Börsengangs legal zu umgehen. Den Gesamtwert der TMTG und des Zugewinnausgleichs gibt die Presseerklärung mit 1,7 Milliarden Dollar an.

Im Mai bemühte sich Trump schon einmal, die Sperre der großen Plattformen zu umgehen. Da startete er die Webseite "From the desk of Donald J. Trump" (von Donald Trumps Schreibtisch) als alternatives soziales Netzwerk, die allerdings nicht mehr als ein Blog war. Mangels Zulauf wurde das Projekt schon einen Monat später wieder aufgegeben. Genaue Zahlen wurden nicht bekannt. Die Washington Post umschrieb die Zugriffszahlen als "praktisch keine Leserschaft".

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