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Trump:Reisen bildet

In Asien wird der Präsident erfahren, wie schwach er ist.

Donald Trump liebt Superlative. So erstaunt es nicht, dass das Weiße Haus von der "längsten Asienreise eines Präsidenten seit Jahrzehnten" spricht. Im Wahlkampf hatte Trump Japan und China vorgeworfen, die US-Wirtschaft zu ruinieren und dem Land Millionen Jobs zu stehlen. Trump sprach vom "größten Diebstahl in der Geschichte der Welt" und bezichtigte China der Währungsmanipulation und Wirtschaftsspionage. Die Transpazifische Partnerschaft (TPP), aus der Trump mittlerweile ausstieg, nannte er den "schlechtesten Deal aller Zeiten".

Inzwischen hat sich Trumps Ton etwas entschärft. Japans Premier Shinzo Abe, mit dem er am Sonntag Golf spielen wird, ist neuerdings sein "Kumpel"; der US-Präsident scheint sich auch mit Chinas Staatschef Xi Jinping zu verstehen. Die Tage in Peking bilden den Höhepunkt der Asien-Reise. Trump will Xi drängen, mehr Einfluss auf Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un auszuüben. Doch die Chinesen zeigten zuletzt wenig Interesse, den Forderungen der USA nachzukommen und behaupteten, keinen Einfluss auf Nordkorea zu haben.

Trump ist im Nordkorea-Konflikt auf Xi angewiesen, er hat aber keine Druckmittel. Seine leere Drohung, "Nordkorea zu vernichten", hat seiner Glaubwürdigkeit nur geschadet. Mit Trump trifft, um im Superlativ zu bleiben, einer der schwächsten US-Präsidenten auf einen der stärksten chinesischen Machthaber seit Jahrzehnten.