Trump-Regierung "Heiliger Strohsack! Das Zentrum des Geschehens!!!"

Dokumentiert auf Facebook: Trump und Abe am Samstagabend beim Abendessen, unterbrochen von einem nordkoreanischen Raketentest.

(Foto: Richard DeAgazio)
  • Beim kürzlichen Raketentest Nordkoreas sitzt US-Präsident Trump gerade mit dem japanischen Regierungschef Abe beim Abendessen - in Trumps exklusivem Hotelclub Mar-a-Logo.
  • Ein anderer Gast fotografiert daraufhin die Betriebsamkeit am Tisch der beiden hochrangigen Politiker, die Bilder landen im Netz.
  • Die Demokraten üben heftige Kritik und erinnern an die E-Mail-Vorwürfe gegen Hillary Clinton.
Von Johannes Kuhn, New Orleans

Richard DeAgazio ist ein Glückspilz: Nicht nur, dass sein persönlicher Favorit Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde; der ehemalige Investmentbanker aus Boston ist seit Kurzem auch Mitglied in dessen exklusivem Hotelclub Mar-a-Lago, Florida.

Ob er bereits die im Januar verdoppelte Aufnahmegebühr von 200 000 Dollar zahlen musste, ist unklar. Alleine für sein Abendessen am Samstag dürfte sich die Investition gelohnt haben: DeAgazio speiste gerade auf der Restaurantterrasse von Trumps "Winter White House", als ein paar Tische weiter eine internationale Krise ausbrach. Nordkorea hatte eine Rakete getestet, während US-Präsident Donald Trump und der japanische Premierminister Shinzo Abe samt Ehefrauen beim Mondschein-Dinner saßen.

Die darauf ausbrechende Betriebsamkeit - Assistenten beleuchten mit Smartphone-Taschenlampen Dokumente, Mitarbeiter zücken die Computer, Trump beginnt zu telefonieren - hielt DeAgazio auf seiner Facebook-Seite mit einigen Fotos fest. "Heiliger Strohsack", heißt es im Text zur Bilderserie, "es war faszinierend, die Unruhe während des Abendessens zu sehen (...) Wow... das Zentrum des Geschehens!!!"

Dass ausgerechnet ein Klub-Restaurant mit Dutzenden Gästen das "Zentrum des Geschehens" ist, wirkt nicht gerade vertrauenserweckend. Als die Bilder im Netz zu kursieren beginnen, tauchen gleich Fragen auf: Wer kann garantieren, dass andere Gäste oder Kellner solche sensiblen Gespräche nicht mithören? Ähnelte Trumps Telefon nicht einem Android-Gerät, das alles andere als abhörsicher ist? Und was ist mit der Praxis, auf Reisen Lagebesprechungen über Sicherheitsfragen in abhörsicheren Zelten abzuhalten?

Nationale Sicherheit... war da nicht etwas?

"Es ist unentschuldbar, eine internationale Krise vor ein paar Gesellschaftsklub-Mitgliedern aufzuführen, als wäre es eine Theatervorstellung beim Abendessen", twitterte am Montagvormittag Nancy Pelosi, Chef-Demokratin im Repräsentantenhaus. Viele Progressive erinnern sich noch daran, wie Trump einst Hillary Clinton vorwarf, die Sicherheit der Vereinigten Staaten mit ihrer E-Mail-Praxis gefährdet zu haben ("auch auf Reisen!"). Und der Vorwurf, Trumps Firma verkaufe mit den Klub-Mitgliedschaften auch Wochenend-Zugang zum Präsidenten, steht weiterhin im Raum - genau wie Fragen zur Professionalität des 45. Präsidenten. "Ich würde vorschlagen, dass sich der Präsident über die Handhabung geheimen Materials schlau macht", erklärte der republikanische Senator und Trump-Kritiker John McCain süffisant.

Trumps Sprecher Sean Spicer betonte daraufhin in der täglichen Pressekonferenz, der US-Präsident habe die Informationen zum Raketenabschuss in einer gesicherten Umgebung erhalten. In der Abendessen-Szene sei es einzig um Details einer gemeinsamen Stellungnahme der beiden Regierungschefs gegangen, die beide wenige Minuten später abgaben.

Für Richard DeAgazio war die Sache damit aber noch nicht zu Ende: Der Trump-Anhänger, seit seiner Rente übrigens ins Schauspielfach gewechselt, hatte sich nämlich auch mit einem Mann aus der Entourage des Präsidenten fotografieren lassen. "Rick", so erklärte er auf Facebook, trage den "Football" bei sich - jenen Koffer also, der an einen Militär-Angehörigen gekettet den US-Präsidenten begleitet und die Codes für die Zündung der Atomwaffen enthält. Selbst DeAgazios Freunde fragten in den Kommentaren, ob die Veröffentlichung eine gute Idee sei. Zwei frühere Sicherheitsmitarbeiter erklärten allerdings gegenüber Buzzfeed, das Foto sei kein Sicherheitsrisiko, sondern nur schlechter Stil.

In der Washington Post erklärte DeAgazio dann noch, dass von den Diskussionen zwischen Trump und Abe nichts zu verstehen gewesen sei - zu laut seien die Band und die anderen Gäste gewesen. Und überhaupt: Trump habe sehr ruhig und präsidential gewirkt; dass er die Sache gleich auf der Terrasse des Luxus-Etablissements angegangen sei, zeige, dass Trump "ein Mann des Volkes" sei.

Kurz darauf verschwanden die Fotos samt Facebook-Profil. Ob DeAgazio nochmals im Mar-a-Lago zu Gast sein darf, ist nicht bekannt.