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Trumps Rassismus:Weißes Haus

U.S. President Trump announces administration efforts to gain citizenship information during 2020 census at the White House in Washington

US-Präsident Donald Trump vor dem Weißen Haus.

(Foto: REUTERS)

Der US-Präsident beleidigt Politikerinnen rassistisch. Er bedient damit üble Ressentiments, was bei ihm längst Teil einer Strategie ist.

Donald Trump, nach eigener Aussage der am wenigsten rassistische Mensch überhaupt, hat eine rassistische Twitter-Tirade losgelassen. Diese Tirade, am frühen Sonntag womöglich im Morgenmantel abgesetzt, ist so eindeutig rassistisch, dass jeder Streit über den Inhalt Zeitverschwendung wäre. Trump hat vier weibliche Abgeordnete aufgefordert, dorthin "zurückzugehen", wo sie hergekommen seien, statt dem "Volk der Vereinigten Staaten" reinzureden. Nun sind drei dieser vier angepöbelten Frauen in den USA geboren worden und gehören damit selbst zum US-Volk. So gesehen hat Trump teilweise sogar Recht, wenn er schreibt, die Frauen kämen aus Ländern, deren Regierungen eine "totale Katastrophe" seien, denn das trifft ja auf die US-Regierung durchaus zu.

Aber das kann Trump freilich nicht gemeint haben. Ihm ging es offensichtlich darum auszudrücken, dass die dunkelhäutigen Politikerinnen irgendwie nicht zu den USA gehörten und deshalb verschwinden sollten. Und weil Hautfarbe hier als Unterscheidungsmerkmal dient zwischen jenen, die im Volk der Vereinigten Staaten mitreden dürfen, und jenen, die abhauen sollen, ist Trumps Tweetserie rassistisch.

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Der US-Präsident wütet, dass die Politikerinnen "in ihre Herkunftsländer zurückkehren" sollten. Als mehrere Demokraten seine Formulierungen als rassistisch zurückweisen, antwortet Trump, ihre Solidarität mit den Frauen sei "so traurig".

Trump macht mit Ressentiment, Ausländerfeindlichkeit und Rassismus Stimmung, seit er eine öffentliche Person ist. Seine Immobilienfirma wurde beschuldigt, schwarze Mieter abzulehnen. Als Trump vom Reality-Fernsehen in die Politik wechselte, behauptete er, der schwarze US-Präsident Barack Obama sei kein US-Bürger und müsse seine Geburtsurkunde vorlegen. Seinen Wahlkampf eröffnete Trump mit einem Referat über "Vergewaltiger" aus Mexiko, und als er sich später über ein Urteil zu seiner Einwanderungspolitik ärgerte, erklärte Trump den Richter für befangen, weil dieser "mexikanisch" sei. Der Richter war wie Obama und die jetzt geschmähten Abgeordneten in den USA geboren worden. Die Gemeinsamkeit: Trump spricht dunkelhäutigen Mitbürgern das Recht ab mitzureden, zu widersprechen - oder sich überhaupt im Land aufzuhalten. Deutlicher tritt Rassismus nur selten zutage.

Der US-Präsident gebärdet sich als Rassist - nicht nur, aber auch aus politischem Kalkül

Offen ist allein die Frage, wie viel Rassismus bei Trump Mittel zum Zweck ist und wie viel Überzeugung. Weggefährten sind sich einig, dass Trump mindestens zum Rassismus neigt. Er scheint Menschen allgemein nach Herkunft oder Hautfarbe zu beurteilen. Es ist kein Zitat von ihm überliefert, wonach Schwarze oder Latinos als solche minderwertig seien, aber so plump offenbart sich Rassismus nur selten, selbst bei ihm. Rassismus kann auch darin bestehen, dass man Schwarze und Latinos in Ordnung findet, solange sie Müll abholen und Rasen mähen - und nicht auf den Gedanken kommen, als Richter Urteile zu fällen oder als Volksvertreter Forderungen zu stellen.

Aber letztlich sind Trumps Innenansichten nicht entscheidend. Es zählt, was der Präsident der USA tut, und da ist offensichtlich, dass kein Präsident der jüngeren Geschichte so schamlos rassistisch aufgetreten ist wie Trump. Darin steckt die Strategie, sich als Held der weißen Unter- und Mittelschicht aufzuspielen und deren Ressentiments zu bedienen: Wir, das weiße Amerika, gegen die - die da draußen und die, die schon drinnen sind, aber anders aussehen und sich am besten wieder verziehen sollen. Der Name von Trumps Amtssitz, das Weiße Haus, passt zur Politik des Präsidenten.

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Auf Twitter beleidigt US-Präsident Trump mehrere Parlamentarierinnen der Demokraten rassistisch. Das Bedienen von üblen Ressentiments sei längst Teil seiner Strategie geworden, kommentiert SZ-Autor Nicolas Richter.