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US-Wahlkampf:Trumps Verkaufsstrategie bekommt Risse

Donald Trump beim Parteitag der Republikaner 2020

Donald Trump betritt vor seiner Rede auf dem Südrasen des Weißen Hauses während des Parteitags der Republikaner die Bühne.

(Foto: Brendan Smialowski/AFP)

Donald Trump hält seine Parteitags-Rede wie 2016, doch die Zeichen stehen heute ganz anders: Der Präsident muss seine ganz eigene Trümmerlandschaft verteidigen. Und am Ende bleibt vor allem ein Bild hängen.

Kommentar von Alan Cassidy, Washington

Als Donald Trump das erste Mal zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten gekrönt wurde, lautete der wichtigste Satz seiner Rede: I alone can fix it. Amerika im Sommer 2016, das war in Trumps Darstellung eine Trümmerlandschaft, für die seine damalige Gegnerin Hillary Clinton und die scheidende demokratische Regierung verantwortlich waren - und er, der Außenseiter, sei der Einzige, der die Trümmer beseitigen und das Land zu alter Größe aufrichten könne. Das war grenzenlos anmaßend, es war falsch, aber als klare Botschaft im Wahlkampf funktionierte es.

Diesmal war die Ausgangslage für Trump um einiges schwieriger, und die Botschaft, die er in seiner Parteitagsrede übermittelte, war um einiges weniger klar. Der Präsident steht heute vor seiner ganz eigenen Trümmerlandschaft: Die USA beklagen 180 000 Corona-Tote und eine Wirtschaftskrise mit Millionen von Arbeitslosen. Sie sind konfrontiert mit Protesten gegen Polizeigewalt, die erneut in Ausschreitungen umschlagen. Sie sind ein bis zum Zerreißen gespanntes Land, über das zwei Drittel seiner Bewohner sagen, dass es sich in die falsche Richtung bewege.

Trump ist ein begnadeter Verkäufer, man könnte auch sagen: ein Propagandist. Einer, der auf Kosten der US-Steuerzahler die Symbole der Präsidentschaft für seine eigene Wahlwerbung missbraucht, indem er Trump-Plakate auf den Rasen des Weißen Hauses stellen lässt und ein Trump-Feuerwerk über dem Washington-Obelisken zündet. Aber selbst Trump tut sich schwer, seine eigene Bilanz zu verkaufen. Vielleicht war das der Grund, warum die Rede des Präsidenten am Donnerstagabend erstaunlich langatmig und zusammenhangslos daherkam - und voller Widersprüche steckte.

Wer sich Trumps Auftritt samt Vorprogramm anschaute, der wusste nicht so recht: Stehen die USA nun so schlecht da, dass nur Trumps Wiederwahl sie vor dem Untergang bewahren kann? Diesen Eindruck vermittelte Trump, wenn er in düsteren Tönen über die Gewalt redete, die in den Städten des Landes um sich greife. Oder geht es den USA vielmehr so gut wie noch nie in ihrer Geschichte, so gut, dass die Amerikaner gar nicht anders können, als Trump nochmals zu wählen? So klang Trump, als er über seine Erfolge sprach.

Das Problem für ihn: Die meisten dieser Erfolge fallen in die ersten drei Jahre seiner Amtszeit - allen voran die gute Wirtschaftslage. Bedeutend weniger hatte er über das vierte Jahr seiner Präsidentschaft zu sagen: jenes, das von der Corona-Pandemie überschattet wird. Trump bemühte sich unter dem Einsatz von haarsträubenden Verdrehungen ("Wir konzentrieren uns auf die Wissenschaft und die Fakten"), das von einer Mehrheit der Amerikaner für gescheitert befundene Krisenmanagement seiner Regierung schönzureden.

Doch was vom Auftritt in dieser Hinsicht blieb, waren nicht Trumps Worte, es waren auch nicht die Angriffe auf seinen demokratischen Gegner Joe Biden. Was blieb, war das Bild: die fast 2000 Anhänger Trumps, die sich inmitten einer Pandemie Stuhl an Stuhl auf den Rasen des Weißen Hauses drängten - die meisten ohne Maske. Da war sie endlich, die klare Botschaft, und sie fasste Trumps Präsidentschaft ganz gut zusammen: Regeln sind für andere da.

© SZ.de/lalse/jok
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