US-Präsident Donald Trump hat mit abfälligen Kommentaren über den Einsatz der Nato-Partner in Afghanistan die Risse im transatlantischen Bündnis vertieft. Die Reaktionen fielen teils heftig aus, anschließend ruderte Trump zurück – aber nur in einem konkreten Fall. Zuvor hatte er in einem Interview mit dem Sender Fox News behauptet, dass die USA die Nato nie gebraucht hätten.
Nach den islamistischen Terroranschlägen am 11. September 2001 hatten die USA Artikel 5 des Nato-Vertrags aktiviert, um Beistand ihrer Verbündeten zu bekommen. Dies führte dazu, dass Deutschland und andere Nato-Staaten wie Großbritannien sich am Krieg gegen die Taliban und die Terrororganisation al-Qaida beteiligten. Es war das erste und einzige Mal in der Nato-Geschichte, dass ein solcher Bündnisfall ausgerufen wurde.
„Zahlreiche Verwundete leiden bis heute unter den Verletzungen aus dieser Zeit“, sagte Verteidigungsminister Pistorius
Nicht nur aus Großbritannien kam als Reaktion auf Trumps ursprüngliche Äußerungen Protest. Premierminister Keir Starmer kritisierte die Äußerungen als „entsetzlich“. Es sei nicht überraschend, „dass sie den Angehörigen der Getöteten und Verletzten und tatsächlich im ganzen Land so viel Schmerz bereitet haben“, sagte Starmer. Prinz Harry, selbst Afghanistan-Veteran, verlangte Respekt für die Opfer der amerikanischen Nato-Verbündeten in Afghanistan. „Ich habe dort gedient, ich habe Freunde fürs Leben gemacht. Und ich habe Freunde verloren“, sagte Harry. Darauf schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social: „Die GROSSARTIGEN und sehr MUTIGEN Soldaten des Vereinigten Königreichs werden immer an der Seite der Vereinigten Staaten von Amerika stehen!“ In Afghanistan seien 457 von ihnen gefallen und viele schwer verwundet worden, „sie gehörten zu den großartigsten Kämpfern“.
Auch Vertreter anderer beteiligter Länder reagierten empört. Die deutschen Soldatinnen und Soldaten hätten „ihren Auftrag unter höchsten Gefahren für Leib und Leben und unter extremen Bedingungen erfüllt“, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) der Bild-Zeitung. Für den Einsatz von 2001 bis 2021 habe Deutschland einen hohen Preis bezahlt. „59 Soldaten und drei Polizisten sind in Gefechten, durch Anschläge oder Unfälle ums Leben gekommen. Zahlreiche Verwundete leiden bis heute unter den Verletzungen aus dieser Zeit“, sagte Pistorius.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kritisierte Trump. Solche Aussagen seien „nicht akzeptabel – insbesondere dann, wenn sie von einer verbündeten Nation stammen“, hieß es in einer Mitteilung ihres Amtssitzes. Meloni erklärte, die Nato habe nach den islamistischen Terroranschlägen vom 11. September 2001 in einem „außergewöhnlichen Akt der Solidarität gegenüber den USA“ zum einzigen Mal in ihrer Geschichte Artikel 5 des Nato-Vertrags aktiviert.
Der niederländische Außenminister David van Weel sagte der Nachrichtenagentur ANP, mit seinen nicht der Wahrheit entsprechenden Äußerungen über den Einsatz von Soldaten anderer Nato-Länder in Afghanistan habe sich der US-Präsident „respektlos“ verhalten. Er wies auf die 25 niederländischen Soldaten hin, die in Afghanistan ums Leben gekommen waren. Auch aus dem Umfeld des französischen Staatschefs Emmanuel Macron hieß es, die Aussagen seien inakzeptabel. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen sagte laut Nachrichtenagentur Ritzau, es sei „nicht hinnehmbar“, dass der US-Präsident die Bemühungen verbündeter Soldaten infrage stelle. Polens Präsident Karol Nawrocki schrieb auf der Plattform X, es bestehe kein Zweifel daran, dass polnische Soldaten Helden seien. 44 Polen seien in Afghanistan gefallen, 43 Soldaten und ein Zivilist.


