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Senatswahl:Trumps Problem in Mississippi

Donald Trump,Cindy Hyde-Smith

Sollte Cindy Hyde-Smith überraschend die Stichwahl in Mississippi verlieren, könnte Donald Trump sehr ungehalten werden. (Archivbild)

(Foto: AP)
  • Der US-Präsident kommt extra zweimal nach Mississippi, um seiner Kandidatin Cindy Hyde-Smith im Senatsrennen beizustehen.
  • Sie hat es mit rassistischen Bemerkungen geschafft, den Wahlausgang wieder offener zu gestalten.

Von Thorsten Denkler, New York

Das Rennen um den noch nicht entschiedenen Senatsposten in Mississippi ist doch noch wichtig geworden. US-Präsident Donald Trump wird an diesem Montag für zwei Wahlkampfveranstaltungen nacheinander in den Magnolienstaat im tiefen Süden fahren, um vor allem für sich und damit auch für Cindy Hyde-Smith zu werben, die republikanische Kandidatin für den Posten. Es ist der Tag vor der Stichwahl, in die Hyde-Smith gehen muss, weil sie am Wahltag vor drei Wochen nicht die absolute Mehrheit geholt hat.

Eigentlich müsste die Wahl für sie zu einem Homerun werden. Mississippi ist seit einigen Jahrzenten republikanisch geprägt. Seit 1982 hat es kein Demokrat mehr geschafft, einen Sitz im Senat zu gewinnen. Donald Trump hat den Bundesstaat bei der Präsidentschaftswahl 2016 mit fast 18 Prozentpunkten Vorsprung vor Hillary Clinton gewonnen.

Auch rechnerisch müsste die Sache klar sein. In den Midterms am 6. November gab es vier Kandidaten für den Senatsposten. Zwei Republikaner und zwei Demokraten. Die beiden Republikaner brachten es im ersten Wahlgang zusammen auf fast 58 Prozent. Die Demokraten nur auf zusammen 42 Prozent. Das sollte reichen, auch wenn die Republikanerin Hyde-Smith mit 41,3 Prozent nur knapp vor ihrem demokratischen Herausforderer Mike Espy lag, der 40,9 Prozent erreichte.

Doch ein Video könnte Cindy Hyde-Smith zum Verhängnis werden. Auf dem ist sie an der Seite eines örtlichen Farmers zu sehen. Sie scheint ihn auf eine seltsame Art loben zu wollen: "Wenn er mich zu einer öffentlichen Hängung einladen würde, ich säße in der ersten Reihe", sagt sie da.

Der Satz ist Sprengstoff auf gleich drei Ebenen:

  • Mississippi ist der US-Bundesstaat, in dem die meisten Lynchmorde an Schwarzen dokumentiert sind. Zwischen 1882 und 1968 waren es 581. Meist wurden die Opfer gehängt.
  • Die Bevölkerung von Mississippi besteht zu etwa 37 Prozent aus Afroamerikanern, der dritthöchste Anteil in den USA.
  • Ihr Kontrahent Mike Espy ist ebenfalls schwarz.

Der reagierte umgehend, als das Video öffentlich wurde: Was Cindy Hyde-Smith da gesagt habe, sei "unverantwortlich". Solche Worte hätten "keinen Platz" im politischen Diskurs. Sie unterstrichen aber, dass Hyde-Smith nicht genügend "Verständnis und Urteilsvermögen aufbringe, um die Menschen von Mississippi zu vertreten".

Der Satz hat den Wahlkampf in Mississippi völlig durcheinandergewirbelt. Ein Sturm der Entrüstung brach über die Republikanerin herein. In den Umfragen schmilzt ihr zweistelliger Vorsprung vor sich hin. Einer ihrer Wahlkampf-Spender, die Handelskette Walmart, zog sich zurück, und bat Hyde-Smith, das an sie gespendete Geld umgehend zurückzuzahlen. Danach haben auch Dutzende andere Unternehmen um Rückzahlung ihrer Spenden gebeten, darunter AT&T und Pfizer.

Dazu kommt, dass moderate republikanische Wähler nicht unbedingt das Gefühl bekommen dürften, dass es auf Hyde-Smith ankommt. Die Mehrheit der Republikaner im Senat ist auch ohne sie gesichert. Außerdem wird der Senatorenposten diesmal nur auf zwei Jahre gewählt. Der Gewinner wird lediglich die sechsjährige Amtszeit des im April aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Republikaners Thad Cochran beenden.

Für die Demokraten in Mississippi hingegen ist dies so etwas wie die Chance ihres Lebens, einen der ihren in den Senat zu wählen.

Im Wahlkampf hat sich Hyde-Smith seither rar gemacht. Sie antwortete erst nicht auf Reporterfragen und weigerte sich, um Entschuldigung zu bitten. Auf einer Pressekonferenz vergangenen Montag mit dem republikanischen Gouverneur Phil Bryant wechselte dieser nach einer Reihe von unbeantworteten Nachfragen an Hyde-Smith das Thema und kam auf Schwangerschaftsabbrüche zu sprechen. Er verwies ausgerechnet auf den angeblichen "Genozid" an 20 Millionen ungeborenen Kindern schwarzer Frauen. Er sei erstaunt, dass darüber keiner reden wolle.

Vergangenen Mittwoch stellte sich Hyde-Smith endlich den Fragen in einer Fernsehdebatte mit ihrem Kontrahenten. Von Reue keine Spur. Sie habe lediglich auf eine etwas überzogene Art ihren Dank ausdrücken wollen. Der Böse in dem Spiel sei Mike Espy, der ihr verbales Missgeschick politisch auszuschlachten versuche. Mit Rassismus jedenfalls habe das alles nichts zu tun.

Allerdings sind jetzt Bilder aufgetaucht, auf denen die republikanische Kandidatin fröhlich lächelnd mit Devotionalien der Konföderierten aus dem Bürgerkrieg posiert. Die Konföderierten waren für die Beibehaltung der Sklaverei. Das Bild ist von 2014 - heizt aber jetzt die Debatte über Hyde-Smiths Eignung weiter an.

Im Wahlkampf wurde sie zudem dabei erwischt, wie sie sich positiv zum Problem der "Voter Supression" geäußert hat. Der Begriff bezeichnet Methoden, mit denen bestimmte Bevölkerungsgruppen absichtlich vom Wählen ferngehalten werden. In dem Video sagt Hyde-Smith, das es an Schulen viele "Liberale" gebe, "von denen wir wahrscheinlich nicht wollen, dass sie wählen gehen". - "Wir sollten es denen vielleicht ein bisschen schwerer machen. Ich glaube, das ist eine großartige Idee."

Nur ein "Scherz", den sich Hyde-Smith erlaubt habe, erklärte danach ihre Kampagnensprecherin Melissa Scallan. Und um es noch mal klar zu ziehen: "Die Senatorin ist keine Rassistin und sie unterstützt auch keine Voter Supression." Ein Sprecher der Kampagne von Mike Espy kontert: "In einem Staat wie Mississippi, in dem Menschen sich das Recht zu wählen mit Schweiß und Blut erkämpft haben, sollte jedem klar sein, dass das keine Angelegenheit ist, über die Scherze gemacht werden sollten."

Hyde-Smith hat es geschafft, einen als sicher geglaubten Wahlsieg in ein wackeliges Rennen zu verwandeln. Verloren aber hat sie noch lange nicht. Die Demokraten hoffen auf einen ähnlichen Effekt wie in der Alabama-Nachwahl im vergangenen Dezember. Damals gewann in dem tief republikanischen Staat der Demokrat Doug Jones das Rennen gegen den ultrakonservativen Roy Moore. Der hatte es allerdings mit Anschuldigungen zu tun, Minderjährigen zu nahe gekommen zu sein.

Joe Trippi, der Wahlkampf-Chefstratege von Jones war, berät jetzt Espy in Mississippi. Er will sich nicht festlegen lassen, es werde sehr eng werden, sagt er. Fakt aber sei: Seit Hyde-Smith in ihre Fettnäpfchen getreten sei, "geht es mit ihr bergab. Und mit uns bergauf".

© SZ.de/ghe/cat

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