US-Kongresswahlen Selbst Fox News will Trump-Werbung nicht senden

Sonst immer ziemlich gute Freunde: Trump und der Sender Fox News

(Foto: Bildschirmfoto Fox News)
  • Mehrere US-Sender weigern sich, einen Wahlwerbespot von Donald Trump für die Kongresswahlen auszustrahlen. CNN bezeichnet den Clip als "rassistisch".
  • Unter den boykottierenden Sendern ist auch Fox News, mit dem Trump sonst eine hervorragende Beziehung pflegt.
  • Allzu angeknackst ist diese Beziehung aber wohl nicht: Bei einer Wahlkampfveranstaltung holt Trump Fox-News-Moderator Sean Hannity zur Unterstützung auf die Bühne.
Von Juri Auel

Wenn es bislang einen TV-Sender in den Vereinigten Staaten gab, dessen Unterstützung und Gefolgschaft sich Donald Trump beinahe uneingeschränkt sicher sein konnte, dann war das Fox News. Der Präsident schaut oft stundenlang das Programm des konservativen Netzwerks, ruft regelmäßig in den Morningshows des Senders an - und wird von den dort sitzenden Moderatoren verteidigt, ganz egal welche Unverschämtheiten er tags zuvor verbrochen hat.

Doch diese besondere Art Liebesbeziehung dürfte nun einen kleinen Knacks bekommen haben. Denn der vom US-Präsidenten so hochgeschätzte Sender weigert sich, einen von Donald Trumps Wahlkampagne finanzierten Werbespot für die US-Kongresswahlen auszustrahlen. "Nach einer weiteren Überprüfung hat Fox News die Anzeige gestern gestoppt", zitieren mehrere Medien aus einem Statement des Netzwerks. Dass liberale Sender wie CNN und NBC, die Trump so gerne als "Fake News" bezeichnet, den Spot "rassistisch" nennen und ihn ebenfalls nicht ausstrahlen, ist da bald eine Randnotiz.

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Doch nicht nur TV-Sender boykottieren den Film. Facebook teilte mit, der Clip dürfe dort zwar gepostet werden, jedoch verweigere man die Möglichkeit ihn zu bewerben, da er gegen die firmeneigene Werberichtline zur Eindämmung "reißerischer Inhalte" verstoße, zitiert NBC das Unternehmen.

Der 30 Sekunden lange Clip ist untermalt mit dramatischer Musik. Er fordert die Amerikaner auf, bei den Kongresswahlen republikanisch zu wählen, um den Treck von Migranten aus Mittelamerika, der Richtung der US-Grenze in Mexiko unterwegs ist, zu stoppen. Dabei warnen die Macher vor angeblich kriminellen Einwanderern, denen die Gesetze der Vereinigten Staaten egal seien.

Als Beleg dafür zeigt der Film Aufnahmen von Luis Bracamontes, einem illegal in die USA eingewanderten Mexikaner, der 2014 verurteilt wurde, weil er zwei Polizisten in Sacramento umgebracht haben soll. Der Werbespot zitiert ihn mit den Worten "das Einzige, was ich bereue, ist, dass ich nur zwei getötet habe". Am Ende des Spots ist die Stimme des US-Präsidenten zu hören. "Ich bin Donald Trump und ich habe diese Mitteilung freigegeben."

NBC teilte mit, man habe nach einer weiteren Prüfung die gefühlslose Machart des Spots erkannt und sich daher entschlossen, den Clip nicht mehr zu senden. Wie der Sender selbst berichtet, sei er "unter Feuer" geraten, nachdem er den Spot am Sonntag zwischen seiner Berichterstattung zu einem Spiel der New England Patriots gegen die Green Bay Packers in der US-Football-Liga NFL gezeigt habe.

Unter anderem hatte sich die Schauspielerin Debra Messing, die in der auf NBC ausgestrahlten Sitcom "Will and Grace" mitspielt, auf Twitter über die Ausstrahlung beschwert. "Ich möchte, dass ihr wisst, ich bin beschämt, dass mein Netzwerk diese abscheuliche, rassistische Werbung gesendet hat", schrieb sie dort.

CNN antwortete via Twitter auf eine Kurznachricht von Donald Trump Jr. Der Sohn des US-Präsidenten hatte dort den Spot als Video hochgeladen und nachdem CNN beschloss ihn auszustrahlen dazu geschrieben: "CNN hat es abgelehnt, diese Werbung zu senden. Ich denke, sie senden nur Fake News und wollen nicht über reale Gefahren sprechen, die nicht in ihre Agenda passen. Viel Spaß!" CNN schrieb in seiner Antwort, man habe in seiner Berichterstattung klargemacht, dass dieser Spot rassistisch sei und man eine bezahlte Ausstrahlung abgelehnt habe. "Das sind die Fakten".

Donald Trump selbst antwortete auf die Frage, ob der denke, der Clip sei beleidigend, vor Reportern: "Eine Menge Dinge sind beleidigend." Der US-Präsident ergänzte: "Sie sind sicherlich effektiv."

Allzu angeknackst ist die Liebesbeziehung zwischen Fox und Trump wohl trotz der Kontroverse um den Clip nicht. Bei seiner letzten Wahlkampfveranstaltung vor den Kongresswahlen hat der Präsident den Fox-News-Moderator Sean Hannity zur Unterstützung auf die Bühne geholt. "Übrigens, alle Leute da hinten sind Fake News", sagte Hannity über andere Reporter im Hinterbereich, die über die Veranstaltung in Missouri berichteten.

Noch am gleichen Tag hatte der Fernsehsender Fox versucht, Distanz zwischen Hannitys Show und Trumps Wahlkampf zu wahren. Im Programm war Hannitys Auftritt auf der Bühne nicht zu sehen. Während seiner Sendung rief Hannity Zuschauer auf, am Dienstag für die Republikaner zu stimmen. Die Atmosphäre bei der Kundgebung sei "fast wie bei einem Rockkonzert ohne Gitarre", sagte er. Sechs Minuten vor dem Ende der Veranstaltung ging er hinter die Bühne, um Trump zu interviewen - das Gespräch fand weitgehend ohne Fragen statt.

Mit Material der Agenturen

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