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G-20-Gipfel in Japan:Trump nennt Merkel "eine großartige Freundin"

  • Bei ihrem Treffen in Japan gibt sich Trump freundlich und nennt die Bundeskanzlerin "eine großartige Freundin".
  • Die Drohung mit Zöllen auf europäische Autos ist aber nicht vom Tisch.
  • Deutlich mehr interessieren den Präsidenten derzeit aber die US-Demokraten und China.
  • Merkel steht in Osaka nach ihrem zweiten Zitteranfall innerhalb weniger Tage unter besonderer Beobachtung.

Es ist 10.37 Uhr, als Donald Trump noch schnell einen Tweet absetzt. Eigentlich sollte sein Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel schon begonnen haben, aber so viel Zeit muss sein. "Alle Demokraten haben gerade die Hand gehoben dafür, Millionen von illegalen Ausländern unbegrenzte Gesundheitsversorgung zu geben. Wie wäre es, sich zuerst um amerikanische Bürger zu kümmern!?", ätzt der amerikanische Präsident von Osaka aus gen Heimat. Am Rand des G-20-Gipfels trifft er im Stundentakt Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, seine eigentliche Aufmerksamkeit aber gehört der zweiten TV-Debatte der potenziellen Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten.

Das wird dann auch ziemlich schnell klar zu Beginn des Gesprächs mit der deutschen Kanzlerin. Der US-Präsident ist nicht auf Krawall gebürstet, er wirkt einfach nur nicht besonders interessiert. "Großartig" sei es, Merkel zu treffen, schwärmt der US-Präsident wenig überzeugend, "eine großartige Freundin" sei sie, eine "fantastische Person, eine fantastische Frau" gar. Dann sagt er schnell noch etwas über gute Handelsbeziehungen, die noch besser werden könnten. Viel lieber aber spricht er über die US-Demokraten. Auf dem Weg zum Gespräch mit Merkel sei er gerade an einem Fernseher vorbeigekommen, berichtet Trump, und wiederholt für Merkel dann noch mal, was er gerade getwittert hat.

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G-20-Gipfel in Osaka

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Es ist auch das Ergebnis von Trumps außenpolitischem Versagen: China hat seinen Einfluss in Ostasien drastisch ausgebaut.   Kommentar von Stefan Kornelius

Auf diese Weise bleibt zumindest der öffentliche Teil des Gesprächs höflich. Erst neulich hatte Trump bei Fox News Deutschland und Europa "schlimmere Handelsbarrieren als China" vorgeworfen. Deutschland nutze die Vereinigten Staaten aus, indem es Russland "viele Milliarden Dollar für Energie" bezahle. "Sie bezahlen einen potenziellen Feind", klagte Trump. Gemeint war die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, an der die Bundesregierung ungeachtet scharfer Kritik aus den USA und dem Osten der EU festhält. In Anwesenheit deutscher Journalisten wiederholt Trump das jetzt alles nicht.

Merkel hebt schließlich hervor, dass die deutsche Wirtschaft "sehr stark auch in den Vereinigten Staaten von Amerika investiert". Aus Merkels Sicht kann man das gar nicht oft genug betonen, weil Trump die deutschen Investitionen bei seinen Klagen über den deutschen Handelsüberschuss regelmäßig ignoriert. In der Bundesregierung ist man sich im Klaren darüber, dass die Drohung mit Zöllen auf europäische Autos nicht vom Tisch ist. Trumps ganze Aufmerksamkeit gilt nur eben vorläufig noch dem Streit mit China. Auch über internationale Themen wolle sie sich mit Trump austauschen, sagt Merkel noch, etwa über Iran. Hoffnungen, dass Trump im Streit über das Atomabkommen von seiner bisherigen Haltung abrücken könnte, gibt es allerdings kaum.

Überhaupt sind die Erwartungen auf deutscher Seite sehr gedämpft. Für Merkel bildet der Gipfel in Japan eher den Rahmen für eine Reihe eher unerfreulicher Gespräche. An diesem Samstag trifft sie den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der ihr soeben in einem Interview mit der Financial Times bescheinigt hat, ihre Flüchtlingspolitik sei ein "Kardinalfehler" gewesen. "Die liberale Idee ist obsolet geworden", verkündete er.

Zum politischen Frust kommt in Osaka die besondere Beobachtung, unter der die Kanzlerin sich seit ihrem zweiten Zitteranfall innerhalb gut einer Woche weiß. Bei der Ernennung der neuen Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) hatte sie am Donnerstag ähnlich zu zittern begonnen wie in der Vorwoche bei der Begrüßung des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij. Als Merkel beim Familienfoto in Osaka wieder ein Weilchen stehen muss, bilden ihre Hände wie üblich eine Raute.