Rede in El Paso Die große Frage ist, ob Trump die Lösung mitträgt

Den Leuten in El Paso erzählt er, er habe kurz vor seinem Auftritt erfahren, dass es Fortschritte gebe. Angeblich war ihm das egal. "Ich hätte stehenbleiben können, um mir das anzuhören. Oder zu euch herauskommen. Ich habe mich für euch entscheiden."

Aber Trump ist plötzlich erstaunlich vorsichtig. Während des Shutdowns hatte er noch versprochen, kein Gesetz zu unterschreiben, das nicht 5,7 Milliarden Dollar für seine Mauer vorsieht. Jetzt sagt er, er werde kein Gesetz unterschreiben, "das die Masseneinwanderung von Flüchtlingen zulässt". Das zumindest lässt hoffen, dass nicht wieder 800 000 Bundesangestellte für Tage oder Wochen ohne Bezahlung bleiben.

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SZ-Podcast "Auf den Punkt"

Trump kämpft um seine Mauer

"Mauern funktionieren und Mauern retten Leben." US-Präsident Donald Trump beharrt in seiner Rede zur Lage der Nation auf den Bau der Mauer zu Mexiko.

In El Paso wirbt er dennoch für seine Mauer. Er hätte auf den ersten Blick keinen besseren Ort finden können. Nur der Rio Grande trennt die 680 000 Einwohner von El Paso von den etwa 1,3 Millionen Bürgern der mexikanischen Nachbarstadt Ciudad Juárez.

In Trumps Augen ist El Paso ein Paradebeispiel dafür, dass eine Grenzmauer funktioniert. Seit Wochen schon erzählt er die Geschichte, dass El Paso einst "die gefährlichste Stadt der USA" gewesen sei, mit vielen extremen Gewaltverbrechen. Bis dort ein hoher Grenzzaun errichtet wurde. Seitdem gehöre El Paso zu den vier sichersten Städten der USA, sagt Trump.

Trump hat sich die falsche Stadt für seine Fehlbehauptungen ausgesucht

Zuletzt hat er das auch in seiner Rede zur Lage der Nation vergangenen Dienstag vor dem versammelten Kongress behauptet. In einer Rede in New Orleans im Bundestaat Louisiana sagte er Mitte Januar gar, der Wandel in El Paso sei praktisch "über Nacht" gekommen. Unsicher, Zaun her - und zack, alles sicher. So etwa.

Nur stimmt Trumps Geschichte leider nicht.

Nach seiner State of the Union Address hagelte es Kritik aus El Paso. Unter anderem von Jon Barela, Chef der "Borderplex Alliance", die sich in der Region für grenzüberschreitende Wirtschaftsförderung starkmacht. Barela ist Republikaner, sein Leben lang schon, schreibt er auf Twitter. Aber was Trump über El Paso sagt, sei schlicht "eine Lüge". El Paso sei schon sicher gewesen, bevor der Grenzzaun kam. Der Präsident, schreibt er, lebe offenbar "in einem alternativen Universum". Eine Position, der sich auch der republikanische Bürgermeister der Stadt, Dee Margo, angeschlossen hat.

Direkt gegenüber der Halle hält der Demokrat Beto O'Rourke eine Gegenveranstaltung ab. Von ihm wird erwartet, dass er bald seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2020 verkündet. "Mauern retten keine Leben. Mauer beenden Leben", ruft O'Rourke seinen Anhängern zu. Trump macht sich lustig über ihn. "Wir haben, sagen wir, 35 000 Leute heute Abend. Und er hat 200 Leute, 300 Leute - nicht so gut. Ich würde sagen, das ist das Ende seiner Präsidentschaftsambitionen."

Das Bezirksparlament von El Paso hat noch am Montag eine Resolution verabschiedet, in der es heißt, Trump habe das County "mit seinen Lügen über die Grenze und ihre Gemeinschaft desillusioniert". In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben sich die wichtigsten Vertreter der Stadt am Montag über Parteigrenzen hinweg gegen Trump gestellt.

El Paso war auch ohne Grenzzaun sicher

Die demokratische Kongressabgeordnete für El Paso, Veronica Escobar, liefert in ihren Tweets gleich mehrere Belege dafür, dass Trump El Paso in ein falsches Licht gesetzt hat. Einen Zeitungsausschnitt aus dem Jahr 2000 etwa. Darin wird eine Studie zitiert, die El Paso im Ranking der sichersten Großstädte der USA auf Rang drei sieht. Einen weiteren aus dem Jahr 2003. Darin ist El Paso schon Nummer zwei.

Der etwa 1100 Kilometer lange, doppelreihige und mit Infrarotkameras bestückte Grenzzaun, der in El Paso am Rio Grande entlang verläuft, ist aber erst ab 2006, noch unter Präsident George W. Bush, erbaut worden. Fertig wurde er in El Paso erst 2010. Tatsächlich haben die meisten grenznahen Städte in den USA geringere Kriminalitätsraten als Städte im Inland. Ob mit oder ohne Grenzbefestigung.

So viel Gegenwind scheint Trump nicht erwartet zu haben. In seiner Rede giftet er gegen alle, die ihn widerlegt haben. "Die sagen, die Kriminalität ist nicht wegen der Mauer gesunken. - Doch, ist sie!" Beweise liefert er dafür nicht. Ein bisschen sieht er in dem Moment aus wie das Rumpelstilzchen, das nicht wahrhaben will, dass die Prinzessin seinen Namen kennt. Im Märchen hat sich das Rumpelstilzchen am Ende - je nach Version - vor Wut selbst entzweigerissen. So weit wird Trump nicht gehen.

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Versöhnlich in Maßen

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