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Trump:Loyalität der Mafia

Der Präsident erspart einem Freund die Haft - ein schäbiger Deal.

Kommentar von Alan Cassidy

Das Erschreckendste an Donald Trumps Machtmissbrauch ist die Schamlosigkeit, mit der er ihn begeht. Es war schon lange klar, dass der US-Präsident seinem früheren Berater Roger Stone zu Hilfe eilen würde, wenn der ihn gegenüber dem Russland-Ermittler Robert Mueller nicht belastete. Ihren Deal hatten die beiden langjährigen Weggefährten quasi am helllichten Tag besiegelt, in Interviews und Tweets, die jeder mithören und mitlesen konnte. Beschützt du den Boss, beschützt er dich - die Loyalität der Mafia.

Trumps Anhängern bleibt nur der Hinweis darauf, dass auch frühere Präsidenten Freunde begnadigt oder vor Haft verschont haben, wie das im Fall Stone geschehen ist. Das entschuldigt Trump aber nicht. Der korrupte Umgang mit den Möglichkeiten seines Amtes ist der Leitfaden, der sich durch diese Präsidentschaft zieht. In der Ukraine-Affäre erpresste er eine ausländische Regierung, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Den Justizminister setzt er als persönlichen Anwalt ein. Vor zwei Wochen feuerte er einen Staatsanwalt, der in seinem Umfeld ermittelt.

Trump tut all dies, obwohl er sich bald den Wählern stellen muss. Was er in einer zweiten Amtszeit täte, nachdem auch diese letzte Kontrollinstanz weggefallen wäre - man wagt es nicht zu denken.

© SZ vom 13.07.2020

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