Nepotismus Trumps Klüngelwirtschaft hat Tradition

Nach Berichten von US-Medien erwägt Präsident Trump, seinen Schwiegersohn Jared Kushner zum Stabschef im Weißen Haus machen.

(Foto: REUTERS)

Von Caligula bis zum US-Präsidenten: Herrscher hieven gerne Verwandte in politische Ämter - allerdings mit unterschiedlichem Erfolg.

Von Joachim Käppner

Zu Zeiten der Not bedarf man seiner Verwandten, so hat es Johann Wolfgang von Goethe gesagt; und auch wenn Donald Trump mit dem Werk des deutschen Dichters womöglich nicht vertraut sein mag: Not an Personal hat er, der das Feuern enger Mitarbeiter als Beweis höchster Führungskraft begreift, eigentlich immer, und er befördert gern Verwandte in hohe Ämter. Nach Berichten von US-Medien erwägt Präsident Trump, seinen Schwiegersohn Jared Kushner zum Stabschef im Weißen Haus machen. Groß umstellen müsste Kushner sich wohl nicht, haben doch er und seine Gemahlin Ivanka als Berater des Präsidenten bereits Büros im Weißen Haus. Vielleicht hat sich Trump ein Vorbild am türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan genommen. 2016 ernannte dieser seinen Schwiegersohn Berat Albayrak zum Finanzminister.

Der Nepotismus ist so alt wie die Menschheit und entspringt dem - mitunter wenig begründeten - Gefühl, sich im Kreise des Clans sicherer zu fühlen. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen; nepos ist der Neffe oder Enkel, auch der Nachkomme, weshalb die Vetternwirtschaft keine schlechte Übersetzung ist. Der österreichische Vizekanzler und Rechtspopulist Heinz-Christian Strache setzte das Versprechen, Schluss mit der Cliquenwirtschaft der Altparteien zu machen, unter anderem dadurch um, dass seine Gattin zur Tierschutzbeauftragten seiner FPÖ aufstieg. Als solche sprach sie sich gegen eine "Beißkorb"-Pflicht aus.

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Der Schwiegersohn des Präsidenten ist einem Medienbericht zufolge im Gespräch für die Nachfolge des scheidenden John Kelly. Trumps bisherige Stabschefs hatten einen schweren Stand.

Commodus steht in den Rankings der idiotischsten Imperatoren weit oben

Quasi Verfassungsrang besaß der Nepotismus in der römischen Kaiserzeit oder im mittelalterlichen Feudalismus. Wo nur Mitglieder, fast immer Söhne, der Herrscherfamilie zur Nachfolge legitimiert waren, wurden sie von Kindheit an in höchste Staatsämter gesetzt, um Erfahrung zu sammeln. Gab es Fähige, die aber nicht verwandt waren, adoptierte sie der Herrscher in Rom sogar. Dieses System hatte gewisse Nachteile, wenn es dem Erwählten an Eignung mangelte. Auf den Philosophenkaiser Marc Aurel folgte 180 n. Chr. dessen Sohn und Mitregent Commodus, der sich dann in der Arena als Gladiator herumprügelte und in Rankings der idiotischsten Imperatoren weit oben steht, übertroffen vielleicht von Caligula, der seinem Großonkel Tiberius folgte.

Zu Caligulas harmloseren Taten soll gehört haben, dass er sein Pferd Incitatus zum Konsul machte, vielleicht zum Segen der Staatsgeschäfte, da das edle Tier als weniger sprunghaft als der Kaiser galt. Nepotismus ist unfein, aber, wie das Landgericht Aachen einmal festgestellt hat, nicht automatisch strafbar. Dem ins Amt Gehievten müssen schon Rechtsverstöße wie Korruption nachgewiesen werden.

Wie verbreitet Nepotismus ist, zeigt sich auch in der Fülle von Synonymen. Im Schwäbischen spricht man von der Vetterleswirtschaft, in Bayern von den Spezln, am Rhein vom "Kölsche Klüngel". In den Genderdebatten hat der alpine Begriff der Seilschaft eine Renaissance erfahren, eine Seilschaft nämlich, wie sie mächtige Männer bilden, um sich gegenseitig in die Höhe zu ziehen. So unerfreulich und verbreitet derlei Seilschaften sind, so weist der Duden doch darauf hin, dass es auch eine weibliche Variante gibt: die Cousinenwirtschaft.

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