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Trump-Kim-Gipfel:Liebesschwüre vor dem Rendezvous

Donald Trump und Kim Jong-un

Während Donald Trump noch zu seinem Flugzeug gefahren wird, ist Kim Jong-un schon lange unterwegs nach Vietnam.

(Foto: AFP/AP)
  • US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un treffen sich am Mittwoch und Donnerstag zu einem zweiten Gipfel in Vietnams Hauptstadt Hanoi.
  • Trumps Lob für Kim wird in den USA zunehmend kritisch gesehen - auch von seinen engeren Vertrauten.
  • Von dem Gipfel erwarten sich viele nur überschaubare handfeste Ergebnisse.

Bevor er sich ins Flugzeug setzte, schwelgte Donald Trump noch einmal in Vorfreude. Ganz so, als handle es sich bei seinem Treffen mit Kim Jong-un um ein Rendezvous zwischen Liebhabern, die sich lange nicht mehr gesehen haben. Es möge seltsam klingen, sagte der US-Präsident am Sonntagabend bei einer Gala im Weißen Haus, "aber ich habe zu ihm eine sehr, sehr gute Beziehung aufgebaut. Er hatte noch nie eine Beziehung zu jemandem aus diesem Land, er hatte überhaupt nicht viele Beziehungen zu irgendwem. Wir verstehen uns blendend." Immer wieder schwärmte Trump zuletzt auch über die "wunderschönen Briefe", die ihm der nordkoreanische Diktator geschrieben hat, er zeigte sie Besuchern im Weißen Haus. "Wir haben uns verliebt", sagte Trump vergangenen Herbst.

Wenn Trump nun am Mittwoch in Hanoi zum zweiten Mal auf Kim trifft, wird aus der Begegnung allerdings mehr resultieren müssen als nur warme Worte. Auf ihrem ersten Gipfel in Singapur im vergangenen Juni hatten sich die beiden Männer auf eine Erklärung geeinigt, die vage gehalten war. Von einer neuen Beziehung zwischen den USA und Nordkorea war darin die Rede, von einer gemeinsamen Suche nach einer Friedensordnung und - deshalb hatte Trump ja überhaupt erst auf ein Treffen gedrungen - von einer "kompletten Denuklearisierung" der koreanischen Halbinsel. Zu Hause in Washington ließ sich Trump dafür als Sieger feiern: Von Nordkorea gehe "keine nukleare Bedrohung" mehr aus, sagte er. Doch zählbare Fortschritte gab es bei der nuklearen Abrüstung seither keine.

Kim trifft Trump

Plaudern am Pool

Das sagen nicht etwa Trumps Kritiker, das konstatieren seine engsten Minister und Berater. "Sie haben ihre Versprechen bisher nicht erfüllt", sagte John Bolton, der Nationale Sicherheitsberater, im Dezember über die Nordkoreaner. Es sei unwahrscheinlich, dass Kim seine Atomwaffen aufgebe, sagte US-Geheimdienstkoordinator Dan Coats im Januar vor dem Kongress. "Wir gehen derzeit davon aus, dass Nordkorea versuchen wird, seine Fähigkeiten im Bereich Massenvernichtungswaffen beizubehalten." Selbst Außenminister Mike Pompeo, stets darum bemüht, dem Präsidenten nicht öffentlich zu widersprechen, sagte am Wochenende in einem TV-Interview: Ja, von Nordkorea gehe sehr wohl noch eine nukleare Bedrohung aus.

Nordkorea verfügt laut einer Studie weiterhin über rund 20 Raketenbasen

Worin die Bedrohung besteht, lässt sich zum Beispiel in einem Bericht nachlesen, den das Center for Strategic and International Studies kürzlich veröffentlichte. Die Nordkorea-Experten des Thinktanks kommen zum Schluss, dass das Regime über rund 20 Raketenbasen verfügt, deren Existenz es nie bestätigt habe. Man habe den Bericht bewusst mit detaillierten Satellitenbildern versehen in der Hoffnung, dass er so die Aufmerksamkeit Trumps wecke, sagte Co-Autor Victor Cha, früher im Nationalen Sicherheitsrat für Nordkorea zuständig. Gesehen hat der Präsident den Bericht tatsächlich, in der New York Times. Das sei alles nichts Neues, twitterte er daraufhin. In der Öffentlichkeit spielt Trump die Bedrohung, die vom Regime in Pjöngjang ausgeht, weiter herunter.

Die Frage ist also, wie ein erfolgreicher Gipfel in Hanoi in den Augen der US-Regierung aussehen könnte. Trump selbst dämpfte zuletzt die Erwartungen. "Ich habe es nicht eilig", sagte er am Sonntagabend. Er verwies darauf, dass die Nordkoreaner seit 2017 keine Atombomben mehr getestet hätten. Das sei an sich schon ein großer Erfolg. "So lange es keine Tests gibt, sind wir glücklich."

Kims Route

Der Sonderzug des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un benötigt für die gut 3700 Kilometer lange Fahrtroute von Pjöngjang quer durch China zum Gipfelort Hanoi etwa zweieinhalb Tage. Den letzten Teil der Strecke vom Grenzbahnhof Dong Dang nach Hanoi muss Kim im Auto zurücklegen. Die Vietnamesen benutzen eine andere Spurbreite, auf die sich sein Zug nicht ohne Weiteres umrüsten lässt.

Innerhalb seiner Administration klingt es jedoch etwas anders. In Hintergrundgesprächen skizzierten Regierungsvertreter in den vergangenen Tagen, worauf sie in Vorbereitung des Treffens hingearbeitet haben: eine Konkretisierung der Erklärung von Singapur. Das könnte erstens heißen, dass sich die USA und Nordkorea bereit erklären, Verbindungsbüros jeweils in Washington und Pjöngjang zu eröffnen, um die Aufnahme diplomatischer Beziehungen vorzubereiten. Das könnte zweitens heißen, dass Trump und Kim eine Erklärung unterzeichnen, die den formal noch andauernden Koreakrieg von 1950 beendet (was nicht dasselbe ist wie ein Friedensvertrag). Und das könnte drittens heißen, dass sich beide Staaten auf eine Roadmap für weitere Gespräche einigen.

Schwieriger wird dagegen etwas anderes: die gemeinsame Definition dessen, was mit "Denuklearisierung" der koreanischen Halbinsel überhaupt gemeint ist. Diese Definition gibt es bis heute nicht, wie US-Diplomaten einräumen. Ziemlich sicher teilt die Trump-Regierung nicht die Auffassung, die Kim zugeschrieben wird: dass nämlich eine Denuklearisierung auch den Rückzug der amerikanischen Truppen aus Südkorea beinhaltet. In Washington sorgen sich jedoch besonders im Pentagon einige, dass Trump genau dazu die Hand reichen könnte, um einen prestigeträchtigen Deal mit Kim zu verkünden. Im Abgeordnetenhaus hat eine überparteiliche Gruppe deshalb bereits im Januar einen Gesetzesentwurf eingebracht, der es der Regierung erschweren würde, die Anzahl der heute 30 000 US-Soldaten auf unter 22 000 zu senken.

Trump soll auf ein "echtes, überprüfbares" Zugeständnis zur Abrüstung dringen

Außenminister Pompeo sagte am Sonntag, es gebe viele Dinge, die Kim tun könnte, um seine Verpflichtung zur Abrüstung zu demonstrieren. Trump werde versuchen, von Kim ein "echtes, überprüfbares" Zugeständnis zur Abrüstung zu erhalten. Ein Schritt könnte dabei das Versprechen Nordkoreas sein, seinen Nuklearkomplex Yongbyon abzubauen, auf dem der wichtigste Reaktor sowie eine Wiederaufarbeitungsanlage für Plutonium stehen. Im Gegenzug würde Kim wohl die Aufhebung von wirtschaftlichen Sanktionen fordern, die gegen Nordkorea in Kraft sind. Dies hatte Pompeo bisher abgelehnt: Der "Kern" der Sanktionen werde intakt bleiben, sagte er bei CNN und ließ damit zumindest ein bisschen Spielraum offen. Denn ein Kern ist bekanntlich doch etwas weniger als das Ganze.

Auf welche Weise Trump Kim überzeugen will, unterstrich der US-Präsident mit einem Tweet vor seinem Abflug. Nordkorea habe die Wahl: Es könne abrüsten und anschließend zur Wirtschaftsmacht aufsteigen - oder weitermachen wie bisher. "Der Vorsitzende Kim wird eine weise Entscheidung treffen!"

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