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Treffen zwischen Trump und Kim:Historisches Schulterklopfen an der Granitplatte

U.S. President Donald Trump Visits South Korea

US-Präsident Donald Trump geht mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un über die innerkoreanische Grenze.

(Foto: Getty Images)
  • Als erster amtierender US-Präsident betritt Donald Trump nordkoreanischen Boden.
  • Südkoreas Präsident Moon begleitet Trump an die innerkoreanische Grenze, wohnt aber dem Gespräch zwischen Kim und Trump nicht bei.
  • Beobachter halten den US-Präsidenten für den Gewinner des angeblich spontan arrangierten Gipfels.

Es war 15:44 Uhr, als Donald Trump an die Granitplatte zwischen den hellblauen Verhandlungsbaracken im Waffenstillstandsdorf Panmunjom trat. Sie markiert die Grenze zwischen den beiden koreanischen Staaten. Nordkoreas Machthaber kam auf ihn zu, er sagte auf Englisch: "Good to see you again."

Die beiden schüttelten sich die Hände, dann fragte Trump Kim, ob er möchte, dass er die Grenze überschreite. Kim antwortete, es sei ihm eine Ehre. Trump legte seine rechte Hand auf Kims Schulter und ging mit ihm einige Meter nach Norden. Dann führte Trump Kim auf die südkoreanische Seite. Dort dankte er dem Koreaner, dass der seine so kurzfristige Aufforderung angenommen habe: "Das ist ein großer Tag für die Welt und eine Ehre für mich", so Trump. Er ist der erste US-Präsident, der nordkoreanischen Boden betreten hat.

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Der US-Präsident hat dem nordkoreanischen Diktator via Twitter ein spontanes Treffen in der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea angeboten. Für die Grenze hat er nichts als Bewunderung übrig.

Nun trat Südkoreas Präsident Moon Jae-in hinzu. Bedrängt von Kameraleuten machten die drei Smalltalk. Die Sicherheitsleute Trumps und Kims versuchten gemeinsam und mit wenig Erfolg, die Fotografen zurückzuhalten. Schließlich gingen die drei Staatschefs ins "Haus des Friedens", wie das Verwaltungs- und Sitzungsgebäude auf der südkoreanischen Seite genannt wird. Dort stand die amerikanische Delegation, Außenminister Mike Pompeo, Sicherheitsberater John Bolton, die Präsidententochter Ivanka Trump und ihr Mann, Jared Kushner. Und der nordkoreanische Außenminister Ri Yong-ho. Selbst sie schienen überrascht, wie Trump einmal mehr Geschichte schrieb.

Kim und Trump sprachen fast eine Stunde lang miteinander. Dabei lud Trump Kim zu einem Besuch im Weißen Haus ein. Die Staatsoberhäupter verständigten sich nach Trumps Angaben darauf, die Gespräche über die festgefahrenen Atomverhandlungen wieder aufzunehmen.

Südkoreas Präsident Moon wartete zunächst in einem Nebenraum. Wer das veranlasst hatte, war vorerst unklar. Nordkoreas Propaganda hat Südkorea in den letzten Tagen scharf kritisiert, weil Seoul - zurückgehalten von Washington - die Entspannung zwischen den beiden Koreas bremse, insbesondere die wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Vor dem Treffen war Trump auf einen militärischen Beobachtungspunkt geklettert, um die Grenzanlagen zu inspizieren. Anschließend sprach er zu einer Gruppe südkoreanischer und amerikanischer Soldaten. Er behauptete, die Idee, Kim ein spontanes Treffen vorzuschlagen, sei ihm erst auf der G20 in Osaka am Samstagmorgen gekommen. Nordkoreas Vize-Außenministerin Cho Sun-hui beantwortete Trumps Tweet nach fünf Stunden. Allerdings gab es schon Mitte voriger Woche Gerüchte, die USA und Nordkorea bereiteten einen solchen Mini-Gipfel vor, den Trump bis zuletzt als "nur einen Handschlag" bezeichnete.

Südkoreas Präsident verliert das Gesicht - und gewinnt dennoch

Der US-Präsident hat einmal mehr gezeigt, wie sehr er die Medien in der Hand hat. Auf dem G-20 Gipfel in Osaka und auch bei seinem Treffen mit Moon in Seoul schürte er die Spannung mit zunehmend optimistischen Bemerkungen darüber, dass er hoffe, Kim werde die Einladung annehmen. Damit hat er es wieder einmal geschafft, die Aufmerksamkeit der Welt für einen Nachrichten-Zyklus auf sich zu ziehen.

Go Myong-hyun vom Asan-Institut, einem auf Nordkorea spezialisierten Thinktank in Seoul, hält Trump für den großen Gewinner dieses Impromptu-Gipfels, wie er im Arirang-Fernsehen sagte. Trump habe Kim gezwungen, sich zum Friedens- und Denuklearisierungs-Prozess zu bekennen, indem er an der Grenze erschien. Kim habe mit seinem Kommen gezeigt, wie wichtig der Abbau der Sanktionen für Nordkorea ist. Zugleich zeigte Trump China, dass es keine Chance habe, Nordkorea als Hebel in den parallel laufenden Gesprächen über den Handelsstreit zu benutzen.

Obwohl Trump und Kim Moon im Nebenraum warten ließen, der Südkoreaner also Gesicht verlor, gehöre auch Seoul zu den Gewinnern, sagte Go. Es habe sich einmal mehr als Vermittler bewiesen.

Nach etwas mehr als einer Stunde begleiteten Trump und Moon Kim zum Abschied an die Granitplatte. Dann lobte Trump Kim noch einmal, dass er so rasch reagiert habe. Er wisse nicht, wie es weitergehe. "Aber sie sehen ja, wie gut die Beziehungen sind." Moon sagte, er habe niemals geglaubt, dass das so lange friedlich gehe. Die Teams der USA und Nordkoreas werden in den nächsten zwei bis drei Wochen ihre Arbeit aufnehmen. Und dann werden wir sehen." Er betonte die Bedeutung des Auftritts an der Grenze: "Man braucht solche Momente."

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