Kurz nach der Freilassung der letzten 20 israelischen Geiseln aus ihrer mehr als zweijährigen Gefangenschaft in den Händen der Terrororganisation Hamas hat US-Präsident Donald Trump den Gaza-Krieg für beendet erklärt. „Heute ist der Himmel ruhig, die Waffen schweigen, die Sirenen sind still, und die Sonne geht auf über einem Heiligen Land, das endlich den Frieden gefunden hat“, sagte Trump am Montagmittag im israelischen Parlament. Die USA hatten mit Ägypten, Katar und der Türkei zwischen Israel und der Hamas einen Gaza-Friedensplan vermittelt, dessen erste Phase nun in Kraft ist. Trump sprach in Jerusalem von einem „historischen Aufbruch für den neuen Nahen Osten“, in dem „dauerhafte Harmonie“ herrschen werde.

Am Abend unterzeichneten dann im ägyptischen Scharm el-Scheich die Staatschefs der USA, Ägyptens, Katars und der Türkei zeremoniell die Vereinbarung über die Waffenruhe in Gaza. Mit Gottes Hilfe, sagte Trump danach, ende nicht nur dieser Krieg, sondern es fange eine neue Ära im Nahen und Mittleren Osten an: „Nun beginnt der Wiederaufbau.“
Am Morgen hatte die Hamas sieben Geiseln den Vertretern des Internationalen Roten Kreuzes übergeben, die die Männer zu ihren Familien und zu einer umfassenden medizinischen Untersuchung brachten. Die Zwillinge Ziv und Gali Berman, die auch deutsche Staatsbürger sind, gehörten wie der Deutsch-Israeli Alon Ohel zu dieser Gruppe. Später kamen 13 weitere Geiseln frei, darunter Rom Braslavski, der ebenfalls einen deutschen Pass besitzt. Bundeskanzler Friedrich Merz sprach von einem „großen Zeichen der Erleichterung“.
Israels Politiker überhäufen Trump mit Lobpreisungen
Als die Sitzung in der Knesset begann, hatte Israels Regierung gerade knapp 2000 Palästinenser aus der Haft entlassen. Dazu gehörten 250 Männer, die wegen Terroranschlägen zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden waren. Zusätzlich durften etwa 1700 Inhaftierte zurück in den Gazastreifen. Am Montag übergab die Hamas zudem vier tote Geiseln an Israel; wann die weiteren 24 Leichen übergeben werden, blieb zunächst unklar.
Trump forderte in der Knesset die Palästinenser auf, sich darauf zu konzentrieren, die „Grundlagen für Stabilität, Sicherheit, Würde und wirtschaftliche Entwicklung“ zu legen, damit ihre Kinder ein besseres Leben führen könnten. In Richtung des Regimes in Iran, das die Hamas jahrzehntelang unterstützt hatte, sagte er, die „Hand der Freundschaft und Zusammenarbeit“ sei immer ausgestreckt. Er sei sich sicher, dass Teheran einen Deal abschließen wolle, sagte der US-Präsident. Dies wäre die „beste Entscheidung“, sagte Trump und deutete auch ein Friedensabkommen zwischen Iran und Israel an.
Womöglich weil dieser Teil der Rede vorab bekannt geworden war, hatte Israels Premier Benjamin Netanjahu in der Knesset betont, Israel werde nie zulassen, dass Iran über Atomwaffen verfügen werde. Der Premier bekannte sich erneut zu Trumps Friedensplan und nannte den US-Amerikaner „den größten Freund, den der Staat Israel jemals im Weißen Haus gehabt hat“. Der US-Präsident lobte den Regierungschef im Gegenzug überschwänglich und mischte sich direkt in die israelische Innenpolitik ein: Er forderte Präsident Isaac Herzog auf, den wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit angeklagten Netanjahu zu begnadigen.
Vor Trumps einstündigem Knesset-Auftritt hatten weitere Redner den Ehrengast mit Lob überschüttet. Sowohl Oppositionsführer Jair Lapid als auch Parlamentspräsident Amir Ohana nannten es einen großen Fehler, dass der US-Präsident nicht schon 2025 den Friedensnobelpreis erhalten habe. Ohana sagte, dass das jüdische Volk sich noch in 1000 Jahren an Trump erinnern werde, und rief aus: „Die Welt braucht mehr Trumps!“ Der so umschwärmte US-Amerikaner spottete später über die Dauer der Ansprachen: „Ihr haltet mich hier ganz schön lange auf. Ich dachte, ich halte hier eine Rede und fliege weiter nach Ägypten.“
Dort kam Trump mit mehreren Stunden Verspätung an. In Scharm el-Scheich wollte er mit Ägyptens Machthaber Abdel Fattah al-Sisi einen internationalen Gipfel leiten. Aus Deutschland reiste Kanzler Merz an, der mit Trump über ein Ende von Russlands Krieg gegen die Ukraine sprechen wollte. Es brauche die dauerhafte Unterstützung der USA: „So wie sie es in dieser Region gezeigt haben, müssen sie es mit uns zusammen auch in der Ukraine und gegenüber Russland zeigen.“ Anwesend waren auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premier Keir Starmer. Sie hatten Ende September für ihre Länder Palästina als Staat anerkannt, ebenso wie etwa Portugal, Spanien oder Irland. Doch dieser Schritt führte nicht dazu, dass die Europäer am Friedensplan beteiligt wurden; diesen ließ Trump ausarbeiten und erzwang die Zustimmung durch Israel und die Hamas. In der Knesset kritisierte Netanjahu die Anerkennung Palästinas erneut scharf: Dies sei ein „Einknicken vor der Hamas-Propaganda“.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen lobte die „Einigung auf ein Kriegsende“ in Scharm el-Scheich als „historischen Meilenstein“. Die EU werde die Reform der Palästinensischen Autonomiebehörde unterstützen und Gelder für den Wiederaufbau des Gazastreifens bereitstellen. Merz sagte, Deutschland wolle die Menschen in Gaza mit Wasser, medizinischer Hilfe und „einem Dach über dem Kopf“ versorgen. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas teilte mit, dass die EU ihren zivilen Einsatz zur Überwachung des Grenzübergangs Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten am Mittwoch wieder aufnehmen werde.

