US-Politik:Trump hat auf Fox News zwei womöglich schwere Fehler gemacht

Das eine ist die Behauptung, Cohen habe nur einen "sehr kleinen" Teil der anwaltlichen Arbeit erledigt, die Trump insgesamt beanspruche. Er, Trump, habe nämlich "viele Anwälte, leider, so viele, ihr würdet es nicht glauben".

Vor Gericht aber argumentieren seine Anwältin Joanna Hendon und Cohens Anwälte, dass das FBI auf gar keinen Fall die Daten und Dokumente sichten dürfe, die es von Cohen beschlagnahmt haben. Weil angeblich "Tausende, wenn nicht Millionen von Dokumenten" das Vertrauensverhältnis zwischen Anwalt und Klient berührten. Darunter vieles, was direkt den Präsidenten der Vereinigten Staaten betreffe.

In einem geradezu generösen Zug bot seine Anwältin jetzt an, dass sich Trump jederzeit persönlich die Zeit nehmen werde, die Dokumente zu begutachten, um Hinweise zu geben, wo seiner Meinung nach das Vertrauensverhältnis berührt sein könne. Nach "nichts für mich getan" klingt das nicht.

Nun, Cohen hat, wie sich herausstellte, nur drei Klienten. Donald Trump, die "Trump Organization", unter deren Dach die Geschäfte der Familie Trump gebündelt sind. Und den überaus erfolgreichen Fox-News-Moderator und Trump-Freund Sean Hannity. Letzterer bestreitet, dass Cohen je wirklich anwaltlich für ihn tätig gewesen sei. Er habe ihn nur hin und wieder mal kostenlos beraten. Und Trump sagt jetzt, Cohen sei ja vor allem ein Geschäftsmann. Der Geschäfte betreibe, mit denen er, Trump, aber nichts zu tun habe.

Trump und Cohen behaupten, Trump habe nichts vom Geld an Daniels gewusst

Die New Yorker Staatsanwälte, die gegen Cohen ermitteln, haben Trumps Bekenntnis dankbar aufgenommen und es gegenüber der zuständigen Richterin Kimba Wood als Argument gegen eine Sonderbehandlung der Daten von Cohen angeführt.

Am Donnerstag hat die Richterin nun entschieden, dass zwar nicht das FBI, aber auch nicht Trump oder Cohens Anwälte die Daten sichten dürfen. Sie bestellte mit der 71 Jahre alten, ehemaligen New Yorker Bundesrichterin Barbara Jones eine Sonderbeauftragte - einen "Special Master" - für die Aufgabe. Sie soll Cohens Datenbestände sichten, um die gesetzlich geschützten Anwalt-Klient-Dokumente herauszufiltern.

Das andere verbale Missgeschick von Trump könnte schwerer wiegen. Es bezieht sich auf die Affäre um den Pornostar Stormy Daniels. Diese sagt, sie sei 2006 mit ihm im Bett gewesen. Kurz nach der Geburt von Trumps Sohn Barron. Sein Anwalt hat inzwischen zugegeben, Ende Oktober 2016 - kurz vor der Wahl - 130 000 Dollar an Daniels überwiesen zu haben. Angeblich aus eigener Tasche.

Trump und Cohen behaupten, der US-Präsident habe nichts von dem Geld gewusst. Wofür das Geld war, sagt Cohen nicht. Angeblich ist es Schweigegeld. Für Cohen kann die Zahlung zu einem Riesenproblem werden, wenn sich herausstellt, dass er damit Trumps Wahlkampagne schützen wollte - das wäre illegale Wahlkampf-Finanzierung.

Trump sagte jetzt auf Fox News zwar einerseits, Cohen habe kaum etwas für ihn gemacht. Er habe ihn aber andererseits in "diesem verrückten Stormy-Daniels-Deal vertreten". Ein Satz, der den Verdacht erhärtet, dass Trump sehr wohl von der Geldzahlung wusste. Wenn dem so ist, dann könnte er sich der Mittäterschaft schuldig gemacht haben. Michael Avenatti, der Anwalt von Daniels, erklärte dazu, der Satz sei "äußerst schädlich" für Trump.

Cohen will sich ab sofort nicht mehr zum Fall Daniels äußern. Er beruft sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht nach dem fünften Zusatz zur US-Verfassung. Ein interessanter Zug. Als Mitarbeiter aus dem Wahlkampf-Team von Hillary Clinton sich im September 2016 ebenfalls auf den fünften Verfassungszusatz beriefen, sagte Trump auf einer Wahlveranstaltung noch: "Die Mafia beruft sich auf den fünften." Und: "Wenn du unschuldig bist, warum solltest du dich auf den fünften Zusatz berufen?"

Auch aus heutiger Sicht ist das eine sehr gute Frage. Er sollte sie mal Michael Cohen stellen.

© SZ.de/fie/rus
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