Trump-Interview der "Bild"-Zeitung Die Trump-Show gibt's nun auch auf Deutsch

Ehrfurcht statt kritischer Nachfragen: Bild-Herausgeber Kai Diekmann beim Interview mit Donald Trump in dessen Büro.

(Foto: dpa)
  • Bild-Herausgeber Kai Diekmann hat zusammen mit dem britischen Journalisten und Brexit-Befürworter Michael Gove von der Tageszeitung Times ein Interview mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump geführt.
  • Trump droht in dem Gespräch deutschen Autoherstellern, die in Mexiko produzieren, mit Strafzöllen.
  • Außenpolitisch bleibt Trump bei seinen bisherigen Postionen: Die Nato nennt er "obsolet", die Europäische Union sieht er im Niedergang begriffen.
Von Matthias Kolb, Washington

Mit manchen Details nimmt es Kai Diekmann sehr genau. "Über einen Seiteneingang betreten wir den Tower, im Fahrstuhl geht es in den 26. Stock. Ein schmaler Gang, eine weitere Sicherheitskontrolle, dann das Büro des Hausherren." Der Leser spürt den Stolz des scheidenden Bild-Herausgebers Diekmann: Seine Zeitung durfte Donald Trump nach dessen Wahlsieg im Trump Tower interviewen; seit Sonntagabend ist es online nachzulesen.

Als Geschenk für den neuen US-Präsidenten hat die Bild ein Stück Berliner Mauer mitgebracht, das neben Diekmanns Förderer Helmut Kohl auch George Bush sr. und Michail Gorbatschow unterschrieben haben. Das Blatt rühmt sich, als erstes deutsches Medium den President-elect befragt zu haben. Also wird der Besuch umfassend dokumentiert: Ein Dutzend Fotos zeigen Trumps Büro, seine Sammlung an Sportartikeln (Mike Tysons Weltmeistergürtel!), die Security-Leute, den Trubel vor dem Trump Tower. All das ist seit Monaten täglich online und im TV zu sehen, aber egal.

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Ein Video zeigt Diekmann im gelben Taxi und bei der Vorbereitung auf das Interview, das er "mit dem Kollegen Michael Gove von der London Times" geführt hat. Hier wird es interessant: Gove war bis Sommer 2016 Minister unter David Cameron und warb mit Boris Johnson vehement für einen "harten Brexit". Dieses Detail verschweigt Bild den Lesern jedoch - dabei könnte es erklären, wieso kritische Nachfragen im langen Gespräch nicht vorkommen, sondern die Ehrfurcht dominiert.

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Wie bei seiner Pressekonferenz argumentiert der Republikaner weiterhin, als wäre er noch immer im Wahlkampf. Konkrete außenpolitische Aussagen vermeidet Trump mit dem Argument, er wolle "unberechenbar" bleiben. Das Atomabkommen mit Iran sei "ein Desaster" und als Oberbefehlshaber wolle er sich auf den Kampf gegen den IS konzentrieren.

Heftig attackiert er die Politik früherer US-Präsidenten im Nahen Osten und nennt den Angriff auf den Irak 2003 einen schweren Fehler: "Wir haben da etwas entfesselt - das war, wie Steine in ein Bienennest zu schmeißen. Und nun ist es einer der größten Schlamassel aller Zeiten." Die Lösung ist jedoch nah: Sein 36-jähriger Schwiegersohn Jared Kushner werde "ein Israel-Abkommen schließen, das sonst niemand zustande bringt. Er ist ein Naturtalent."

Mit klaren Worten wendet sich der Republikaner an die deutschen Autohersteller. Seine Drohung, Strafzölle gegen BMW, Mercedes, VW und Audi zu verhängen, ist wegen der Bedeutung der Autoindustrie für die deutsche Volkswirtschaft am brisantesten für die Leser hierzulande (mehr in dieser SZ-Analyse). Die Pläne von BMW, 2019 eine Fabrik in Mexiko zu eröffnen, kommentiert Trump: "Sie sollen nicht ihre Zeit und ihr Geld verschwenden - es sei denn, sie wollen in andere Länder exportieren. (...) Ich würde BMW sagen, wenn sie eine Fabrik in Mexiko bauen und Autos in die USA verkaufen wollen ohne eine 35-Prozent-Steuer, dann können sie das vergessen."

Trumps Aussagen über Bundeskanzlerin Angela Merkel sind gewohnt widersprüchlich. Einerseits nennt er ihre Flüchtlingspolitik "katastrophal", später sagt er fast bewundernd: "Ich respektiere sie und ich mag sie." Über die EU äußert sich Trump abfällig-desinteressiert ("ein sehr angenehmer Herr rief mich an", damit ist Kommissionspräsident Juncker gemeint) und sagt den Austritt weiterer Staaten voraus.

Das Militärbündnis Nato nennt er zum wiederholten Mal "obsolet". Hier zeigt sich wieder, wie Trump Außenpolitik sieht: rein transaktional, als Deal: "Die Sache ist, dass die Länder nicht ihren fairen Anteil bezahlen. Also, wir sollen diese Länder schützen, aber viele dieser Länder zahlen nicht, was sie zahlen müssten. Das ist sehr unfair."

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Auf Diekmanns erwartbare Frage, ob Trump stolz auf seine Herkunft sei (mehr über die Vorfahren aus dem pfälzischen Kallstadt), sagt der Republikaner: "Das ist großartig. Ich liebe Deutschland." Es folgen Phrasen ("Ich mag es, wenn die Dinge ordentlich erledigt werden. Dafür sind die Deutschen ziemlich bekannt. Aber ich auch - ich mag auch Ordnung, und ich mag Stärke") und dann hat Trump, dessen Mutter aus Schottland stammte, eine Botschaft an die britischen Leser: "Ich achte auf mein Kleingeld. Nur dass ich mich mit großem Kleingeld beschäftige."