Trump in Asien:"Eine Hölle, die niemand verdient"

Lesezeit: 3 min

In Südkorea attackiert Präsident Donald Trump Norkdoreas Regime erneut schonungslos. Aber er verzichtet darauf, Diktator Kim Jong-un persönlich anzugreifen. Und auch Pjöngjang anwortet fast milde.

Von Christoph Neidhart, Tokio

BESTPIX - U.S. President Donald Trump Visits South Korea - Day 2

Als „bedingten Ölzweig“ interpretierte man in Südkorea Donald Trumps Rede. Der US-Präsident machte Nordkorea schwerste Vorwürfe – wiederholte aber auch sein Angebot zu Gesprächen.

(Foto: Chung Sung-Jun/Getty)

US-Präsident Donald Trump warnte am Mittwoch vor dem südkoreanischen Parlament das Nachbarland Nordkorea, Amerikas Entschlossenheit zu unterschätzen. "Die USA suchen keine Konflikte, aber sie laufen vor ihnen auch nie davon. Wir haben gelernt, wie teuer es ist, Schwäche zu zeigen", sagte Trump. Die Welt könne keinen Schurkenstaat tolerieren, der sie mit nuklearer Zerstörung bedrohe. Der Präsident ermahnte "alle verantwortungsbewussten Nationen, auch China und Russland, die UN-Sanktionen durchzusetzen und Nordkorea zu isolieren". Dann rief er dem Diktator Kim Jong-un über die Grenze zu: "Die Waffen, die du erwirbst, machen dich nicht sicherer, sie gefährden dein Regime." Nordkorea sei "nicht das Paradies, das sich dein Großvater vorgestellt hat. Es ist eine Hölle, wie sie niemand verdient."

Dann wiederholte Trump sein Gesprächsangebot an Pjöngjang, doch dazu müsse Nordkorea seine Raketenentwicklung stoppen und komplett und verifizierbar nuklear abrüsten. Südkoreas Medien deuteten dies als "bedingten Olivenzweig".

Zuvor hatte Trump Nordkorea scharf, aber faktisch zutreffend als Gefängnisstaat kritisiert. Dort dürften die Loyalsten in Pjöngjang wohnen und die am wenigsten Loyalen litten Hunger. Trump nannte das Regime "einen Kult" und "faschistisch", verzichtete aber auf persönliche Verunglimpfungen Kims. Nordkorea sei "ein tragisches Experiment der Geschichte", dessen Ergebnis sich im Vergleich mit Südkorea zeige. Die Südkoreaner pries Trump für den rapiden Wirtschaftsaufstieg und den Übergang zur Demokratie 1988. Beide Koreas hätten bei Kriegsende 1953 dieselbe Ausgangslage gehabt. Heute gehöre Südkorea zu den reichsten Ländern, im Norden sei ein Drittel der Kinder unterernährt.

In einer ersten Reaktion sagten nordkoreanische Offizielle dem US-Sender CNN: "Uns interessiert nicht, was der verrückte Hund sagt. Wir haben genug gehört." Die USA würden Nordkorea mit atombetriebenen Flugzeugträgern und strategischen Bombern bedrohen. "Sie fordern uns mit bösartigsten und gemeinsten Provokationen heraus. Aber wir werden ihnen mit der Macht der Gerechtigkeit begegnen und den Ursachen von Aggression und Krieg die Wurzeln ziehen." Nach Pjöngjangs Maßstäben eine milde Reaktion. Chong Sung-ryul vom "Institut für Nationale Sicherheits-Strategie" in Seoul glaubt, Trumps Rede habe die Lage nicht verschärft. Nordkorea werde nur einige Tage zurückbellen.

Seit zwei Monaten hat Pjöngjang keine Rakete mehr gestartet, es gibt keine Hinweise auf einen neuen Atomtest. Das heißt freilich nicht, dass die UN-Sanktionen wirken. Obwohl sie im Alltag spürbar sind, wie Pjöngjang-Reisende berichten, wird Kim nicht zulassen, dass sie sein Waffenprogramm bremsen.

Die Ruhe ist eher Zeichen, dass Kim die politische Wirkung der Tests als Erfolg wertet. "Niemand glaubt mehr, Nordkorea werde sein Atomarsenal aufgeben, niemand in Japan, niemand in China, niemand in Südkorea. Und in Nordkorea sowieso nicht", sagt Brad Glosserman vom "Center for Strategic and International Studies" (CSIS). "Kims Atomwaffen sind entscheidend für das Überleben seines Regimes. Und für sein persönliches Überleben. Sie sind in Nordkoreas Verfassung verankert und das Einzige, was er hat." Die Welt müsse akzeptieren, dass Nordkorea eine Atommacht ist. "Ohne Atomwaffen ist Nordkorea nichts, keiner würde es beachten."

Mit dem sechsten und stärksten Test am 3. September zeigte Pjöngjang, wie weit sein Atomprogramm ist. Seine Raketen scheinen in der Lage zu sein, Japan und Guam zu erreichen. Das genüge zur Abschreckung. "Die Nordkoreaner haben beobachtet, wie Pakistan das gemacht hat", sagt Glosserman. Islamabad führte bis 1998 fünf Atomtests durch. "Dann fand die Welt sich damit ab, dass Pakistan über Atomwaffen verfügt." Islamabad hatte keinen Grund mehr, weiter zu testen. Die Welt habe auch mit dem unvergleichlich stärkeren Atomarsenal der Sowjetunion gelebt.

Glosserman hat an "Track-Two"-Gesprächen teilgenommen, inoffiziellen Treffen zwischen früheren US-Diplomaten und Experten mit Nordkorea. Sie gingen selbst vergangenen Sommer weiter. Aber sie seien aussichtslos, solange Nordkoreas Atomwaffen nicht in irgendeiner Form anerkannt würden. Einen Ausweg sieht Glosserman in einer Vereinbarung, wonach Nordkorea sein Waffenprogramm einfrieren würde und die USA auf die gemeinsamen Manöver mit Südkorea verzichten würden. Washington wolle das nicht, "aber vielleicht findet man eine Formel, wonach die USA auf 'große Manöver' verzichten", meint Glosserman. Nordkorea werde ohnehin "irgendwann innerhalb einer Minute zusammenbrechen, wie damals die Sowjetunion. Wir wissen nur nicht wann".

Womöglich kann Nordkorea gar nicht mehr testen. Der Berg bei Punggye-ri, unter dem die Tests stattfanden, ist instabil geworden. Im Oktober kamen dort beim Einsturz zweier Tunnels 200 Nordkoreaner um. "Ein weiterer Atomtest, und das Testgelände könnte einbrechen. Das würde Radioaktivität freisetzen", erläuterte Nam Jae-cheol, Chef des südkoreanischen Wetterdienstes, dem Parlament in Seoul.

Teetrinken und Geschäfte machen

Am Mittwochnachmittag traf US-Präsident Donald Trump in Peking ein, der wichtigsten Station seiner Asienreise. Dort will er ebenfalls um mehr chinesische Unterstützung für die Nordkoreapolitik der USA werben. Kaum ein Beobachter erwartet von dem Gipfel allerdings viel Substanz, vor allem den Chinesen geht es mehr um die Bilder und das Zeremoniell. Davon gab es gleich am ersten Tag eine ganze Menge: Partei- und Staatschef Xi Jinping führte Donald Trump durch die Verbotene Stadt, den alten Kaiserpalast. Dort tranken die beiden gemeinsam mit ihren Ehefrauen Tee, besuchten eine Aufführung der Pekingoper und bekamen schließlich ein Abendessen serviert - eine Ehre, die zuvor noch keinem US-Präsidenten zuteil geworden war. Neben Nordkorea stehen für die USA vor allem Chinas unfaire Handels- und Marktzugangspraktiken auf der Agenda. Die Chinesen haben schon im Vorfeld ein ganzes Bündel von Geschäftsabschlüssen mit US-Firmen geschnürt, damit Trump zu Hause Erfolge melden kann. Am Mittwoch schon verkündeten die Handelsminister der beiden Länder Abschlüsse in Höhe von neun Milliarden Dollar. An diesem Donnerstag sollen weitere Deals verkündet werden. Strukturelle Veränderungen der chinesischen Praktiken sind allerdings nicht zu erwarten. Kai Strittmatter

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB