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US-Präsident im TV-Interview:Trump ist an den Falschen geraten

Chris Wallace gilt als der kritischste Journalist beim Trump-freundlichen Sender Fox News. In einem spektakulären Interview bewahrt er Trump vor keiner Peinlichkeit.

Von Thorsten Denkler, New York

Eines schon mal vorweg: Chris Wallace hat nicht angefangen mit diesem kognitiven Test. Das war Donald Trump. Wallace hat den US-Präsidenten nur ein wenig in die Richtung geschubst. Und der ist in eine wohlvorbereitete Falle gelaufen. Aber dazu später mehr.

Am Sonntag ist bei Fox News ein Interview ausgestrahlt worden, das Wallace vergangene Woche mit dem US-Präsidenten geführt hat. Und wie so vieles in den vergangenen Wochen lief es nicht gut für diesen. Das ist erstaunlich, weil Fox News in weiten Teilen als Trump ergeben gilt. Einige Moderatoren wie Tucker Carlson und Sean Hannity, die zu den erfolgreichsten des Senders gehören, äußern sich, als wäre Trump der wohl beste Präsident aller Zeiten.

Wallace ist anders. Er gilt gewissermaßen als der Last Journalist Standing auf der dunklen Seite der Medienmacht. Er seziert in seiner Sonntagssendung Demokraten wie Republikaner gleichermaßen mit seinen messerscharfen und gut vorbereiteten Fragen. Wallace ist einer der Gründe, warum Trump zwar nicht seine Lieblingsmoderatoren auf Fox News, aber doch den Sender als Ganzes seit einiger Zeit unter Liebesentzug gestellt hat.

Warum das so ist, beweist der Moderator auch in diesem Interview. Wallace nutzt die Stunde mit dem Präsidenten, um auf viele wichtige Themen einzugehen: die Corona-Krise, die schlechten Umfragedaten (alle falsch, sagt Trump), die miesen Wirtschaftsdaten, die Debatte um Symbole der Konföderierten, die Black-Lives-Matter-Bewegung.

Es ist ein ungewohnt harter Gang für Trump. Wallace kontert so gut wie jede Falschbehauptung von Trump mit "Das stimmt nicht" oder "Das ist nicht wahr". Trump behauptet etwa, die Corona-Todesrate in den USA sei eine der niedrigsten der Welt. Wallace: "Das ist nicht wahr, Sir." Die USA hätten die siebthöchste Rate unter den am meisten betroffenen Staaten der Erde. Er beruft sich auf Daten der Johns-Hopkins-Universität.

Trump glaubt Wallace nicht. Er lässt sich von seinen Presseleuten eine Grafik geben und wirft einen kurzen Blick darauf. "Nummer eins in niedriger Todesrate", sagt er und hält sie ins Bild. Stimmt aber wieder nicht. Die Grafik zeigt die USA auf Platz drei. Und Staaten mit weitaus geringerer Todesrate tauchen darauf nicht auf. Wallace muss sich dennoch anhören, er sei "Fake News".

Und die vielen neuen Corona-Fälle in den USA? Mehr als 75 000 registrierte Neuinfektionen am Tag sind es inzwischen. Und täglich gut 1000 weitere Tote. Trump tut immer noch so, als wäre das ausgebaute Testprogramm dafür verantwortlich. Wallace stellt richtig: Es gebe 37 Prozent mehr Tests - aber im gleichen Zeitraum 194 Prozent mehr Fälle. Trump versteht offenbar den Zusammenhang nicht. Viele junge Leute hätten doch "nur einen leichten Schnupfen und wir tun so, als wäre das ein Test", sagt er.

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Trump droht wieder damit, den Schulen in den USA das Geld zu streichen, wenn die nicht im Herbst ihre Tore wieder öffnen - gegen den Rat vieler Wissenschaftler. Wallace hält Trump entgegen, dass Washington nur für acht Prozent der Schulfinanzierung zuständig sei. Und dass das meiste Geld an Schulen gehe, in denen benachteiligte Kinder unterrichtet würden.

Wallace über Trumps kognitiven Test: "Besonders schwer war der nicht"

Eine der bemerkenswertesten Stellen aber ist jene, als es um einen kognitiven Test geht. Die Passage beginnt damit, dass sich Trump über Joe Biden lustig macht, den designierten demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Der bekomme keinen klaren Satz ohne Teleprompter heraus und werde im Keller seines Wohnhauses in Delaware versteckt. So einen wollten die Amerikaner sicher nicht als nächsten Präsidenten. Ob er Biden für senil hält, fragt Wallace. So weit will Trump nicht gehen. "Ich würde sagen, er ist nicht kompetent für das Amt."

Wallace ärgert Trump mit einer Fox-News-Umfrage, nach der eine erkleckliche Mehrheit der Befragten Biden die bessere geistige Gesundheit unterstellt. Okay, sagt Trump, Biden soll einfach sofort den gleichen Test machen, den er erst kürzlich mit Bravour bestanden habe. Anfang Juli hatte Trump einen kognitiven Test machen lassen und danach in der Sendung von Sean Hannity damit angegeben, wie überrascht die Ärzte gewesen seien, dass er so gut abgeschnitten habe.

Das ist der Moment für Wallace. Er habe den Test auch gemacht, sagt er. "Wie haben Sie abgeschnitten?", fragt Trump, wohl ein bisschen in Sorge, Wallace könnte ebenfalls die höchste Punktzahl bekommen haben. "Besonders schwer war der nicht", sagt Wallace trocken. Da müsse etwa ein Bild identifiziert werden und die Antwort ist: ein Elefant.

Trump will das nicht auf sich sitzen lassen. "Nein, nein, nein", sagt er, das sei eine Missinterpretation des Tests. Am Anfang, ja, da sei es leicht. Aber er wette, dass Wallace die letzten fünf Fragen nicht habe beantworten können. "Die sind ziemlich schwer, diese letzten Fragen."

Nun, sagt Wallace, eine dieser letzten Aufgaben sei gewesen, von Hundert immer um sieben Zähler zurückzurechnen. "93", sagt Wallace. Doch Trump hört nicht auf. Er habe alle 35 Fragen richtig beantwortet! Das werde Biden nie im Leben hinbekommen.

Die brisanteste Frage kommt ganz am Ende

Auf Twitter äußert sich ein Psychologe. Der sagt, er habe diesen sogenannten Moca-Test hundertfach angewendet. Er werde nur genutzt, um erste Anzeichen von Demenz zu erkennen. Das sei kein IQ-Test. Und "wer sich damit brüstet, diesen Test bestanden zu haben, der kann sich auch damit brüsten, am Morgen die Schuhe selbst gebunden zu haben". (Wer es selber versuchen will, der Test ist hier verlinkt.)

Es gibt noch weitere spektakuläre Stellen. Als Trump etwa behauptet, Biden wolle der Polizei das Geld kürzen. Wallace erwidert: "Sir, das macht er nicht." Trump ist entrüstet. Biden habe doch gerade zusammen mit Bernie Sanders einen Plan mit genau dieser Forderung unterschrieben, behauptet er. Wallace kontert: "Der Plan sagt nichts über weniger Geld für die Polizei." - "Oh, wirklich?" fragt Trump. "Der Plan spricht von Kürzungen! Okay, gebt mir den Plan, bitte", weist er seine Mitarbeiter an.

Die reichen ihm das Dokument. Trump überfliegt es, findet vieles, womit er nicht einverstanden ist. Nur keinen Hinweis darauf, dass Biden Geld für die Polizei kürzen will.

Die vielleicht wichtigste Frage aber kommt kurz vor Schluss. Sollte Trump verlieren, wird er seine Niederlage eingestehen? Trumps Antwort: "Ich werde sehen." Und das war die vielleicht enthüllendste Antwort im ganzen Gespräch.

© SZ.de/gal/saul
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